Digitaler Amateurfunk
DMR – Digital Mobile Radio
DMR ist ein digitaler Standard für Betriebs- und Bündelfunk, 2006 vom ETSI verabschiedet. Er erlaubt den Einsatz von Geräten verschiedener Hersteller im selben Netz und bietet Sprach- wie auch Datendienste. Im Amateurfunk hat sich DMR neben D-STAR als populärster digitaler Betriebsmodus etabliert.
Die drei Tiers – Varianten des DMR-Standards
Hobby / Lizenzfrei
Einsteigerversion, stark abgespeckt. Vergleichbar mit digitalen PMR446-Geräten aus dem Baumarkt – lizenzfrei, aber stark eingeschränkt.
Betriebsfunk / Amateurfunk
Klassische Betriebsfunk-Anwendungen: Fabrikgelände, mehrere vernetzte Standorte. Erfordert eine Funklizenz – auch im Amateurfunk verbreitet.
Grossnetze / Bündelfunk
Für grosse Netze mit vielen Basisstationen. Steuerkanal teilt Frequenzen und Zeitschlitze dynamisch zu (Bündelfunk-Prinzip).
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Digital und analog auf demselben Gerät/Repeater
- Direkt-QSO und Repeater-Betrieb möglich
- Zwei Zeitschlitze = doppelte Kanalkapazität
- Stromsparend durch Zeitschlitz-Ruhemodus
- Einzel- und Gruppengespräche (Talkgroups)
- SMS-Funktion für Kurznachrichten
- Internationale Vernetzung via Internet/HAMNET
- Roaming zur automatischen Repeaterwahl
- Eindeutige Geräte-ID, Rufzeichen im Display
- 12,5 kHz Kanalbreite, Repeater-Erreichbarkeit sichtbar
Nachteile
- Menüführung für Funkamateure eingeschränkt
- Frequenzwechsel ohne Codeplug kaum möglich
- Zwingend PC-Konfiguration mit Programmierkabel nötig
- Reflektor-Konzept passt nicht zum DMR-Bedienkonzept
- Netzpolitik der drei Netze wenig transparent
Kernkonzepte
Codeplug
Jedes DMR-Gerät braucht zwingend einen Codeplug – eine Konfigurationsdatei mit Kanälen, Frequenzen, Talkgroups, Kontaktlisten und Tastenbelegungen. Am PC erstellt und per Datenkabel ins Gerät geladen.
Zeitschlitze (Timeslots)
Jeder Funkkanal wird in zwei unabhängige Zeitschlitze (TS1/TS2) aufgeteilt. So können zwei Gespräche gleichzeitig auf derselben Frequenz stattfinden – ohne gegenseitige Störung.
Talkgroups
Virtuelle Sprechgruppen für Regionen, Sprachen oder Interessen. Jede hat eine ID und einen Konferenzserver im Hintergrund. Die Rx-List legt fest, welche Talkgroups der Lautsprecher wiedergibt.
Color-Codes
Jedes DMR-Netz auf einer Frequenz erhält einen eigenen Color-Code (1–15), so dass Geräte nur auf ihr eigenes Netz reagieren. Standard ist oft Color-Code 1.
Channels und Zonen
Channels entsprechen Speicherkanälen mit Frequenz, Talkgroup und Einstellungen. Zonen bündeln Kanäle als Ordner – z.B. eine Zone pro Stadt oder Betriebsart.
Roaming
Das Gerät wählt automatisch den am besten empfangbaren Repeater aus einer Roaming-Liste – unabhängig von GPS, da geografische Nähe nicht immer beste Signalstärke bedeutet.
Modulationsverfahren: 4-FSK
DMR nutzt 4-FSK (Four-Level Frequency Shift Keying): Statt 2 werden 4 Frequenzen verwendet, wodurch 2 Bits pro Schritt übertragen werden können (00, 01, 10, 11). Die verwendeten Frequenzabweichungen sind +1,944 kHz, +0,648 kHz, -0,648 kHz und -1,944 kHz bezogen auf die Mittenfrequenz. Ergebnis: 12,5 kHz Kanalbreite bei hoher Spektrumseffizienz.
DMR-Netze im Amateurfunk
Aktuell gibt es drei grosse DMR-Netze für Funkamateure – alle nutzen den DMR-Standard, unterscheiden sich aber in Philosophie und Netzwerkprotokollen:
DMR-MARC
Basiert auf Motorola MOTOTRBO-Technik. Konservativ, stabilitätsorientiert, klassische Talkgroups – kein Reflektor-Betrieb.
dmr-marc.net →DMRplus
Früher Hytera-Netz. Setzt stark auf Reflektoren, bietet aber auch Talkgroups. Für den DACH-Raum gut ausgebaut.
ham-dmr.de →Brandmeister
Experimentell, talkgroup-fokussiert, aber auch Reflektoren. Name = Wortspiel auf «Master»-Server als Backbone.
bm262.de →Netzpolitik: Allen drei Netzen fehlt es an Transparenz – die Macht liegt bei wenigen Netzbetreibern. Politische Differenzen verhindern bislang eine dauerhafte Zusammenschaltung. Zu hoffen bleibt, dass proprietary Lösungen langfristig durch offene, HAMNET-ähnliche Strukturen abgelöst werden.
Hotspots sind Miniatur-Repeater in der Grösse einer Zigarettenschachtel oder eines USB-Sticks. Sie verbinden sich per Internet ins DMR-Netz und bieten lokalen Netzeinstieg in Funklöchern. In Kombination mit einem LTE-Router sogar mobil im Auto oder auf dem Fieldday einsetzbar.
Weiterführende Links