«Bei FT8 keine Prä- und Suffixe, sonst kommt FT8 wegen der Bitlänge durcheinander.» Den Satz liest man in Foren immer wieder. Ich musste mich damit befassen, als ich das FT8-Modul in Ham-Tools gebaut habe. Was soll der Automat senden, wenn das POTA-Log auf HB9HJI/P läuft? Ich hatte Probleme gesehen und wusste nicht sicher, woher sie kamen. Also habe ich nachgelesen: im QEX-Artikel der Entwickler, im WSJT-X User Guide und am Ende im Quellcode. Den Teil von WSJT-X, der Nachrichten in Bits verpackt, habe ich selbst kompiliert und mit meinem Rufzeichen in allen Varianten gefüttert.
Das Ergebnis vorweg: Das «Durcheinander» ist ein Mythos. Die Einschränkungen gibt es aber wirklich, nur treffen sie nicht /P, sondern Präfixe und alle anderen Zusätze.

77 Bit, mehr passt nicht
Eine FT8-Aussendung trägt 77 Bit Nutzdaten. Dazu kommen 14 Bit Prüfsumme und 83 Bit Fehlerkorrektur, zusammen 174 Bit auf 58 Datensymbolen mit je acht Tönen. In diese 77 Bit muss die ganze Nachricht: zwei Rufzeichen, Locator oder Rapport und drei Bit, die angeben, welcher Nachrichtentyp es ist. Die Entwickler nennen dieses Feld i3. Text wird darum nicht Buchstabe für Buchstabe übertragen, sondern gepackt, und jeder Nachrichtentyp teilt die 77 Bit anders auf.

Was ein «Standard-Rufzeichen» ist
Ein Standard-Rufzeichen besteht aus einem Präfix mit ein oder zwei Zeichen, davon mindestens ein Buchstabe, dann einer Ziffer und danach bis zu drei Buchstaben. HB9HJI passt: HB, 9, HJI. DL1ABC, K1ABC und OE3XYZ auch. Für alle möglichen Kombinationen reichen 28 Bit: Es sind 262 177 560 Rufzeichen, und 28 Bit bieten 268 435 456 Werte. Der Rest ist reserviert für CQ, QRZ, DE, gerichtete CQs und sogenannte Hash-Codes, dazu gleich mehr.
Nicht in dieses Raster passen zum Beispiel 3DA0XY mit drei Zeichen vor der Ziffer, lange Sonderrufzeichen wie YW18FIFA (das Beispiel aus dem User Guide) und alles, was mit einem Schrägstrich vorne oder hinten ergänzt wird. Mit einer Ausnahme.
/P und /R: ein Bit, kein Problem
Für /R und /P gibt es pro Rufzeichen ein eigenes Bit. Die Standardnachricht (i3=1) nutzt es für /R, ihre Schwester (i3=2) für /P. Sonst ändert sich nichts: zwei volle Rufzeichen, Locator oder Rapport. Im User Guide ist /P nur beim EU-VHF-Contest beschrieben, der Code macht aber keinen Unterschied. «CQ POTA HB9HJI/P JN47» geht genauso durch wie «CQ POTA HB9HJI JN47», das habe ich am Packer nachgeprüft.
Kleine Haken gibt es trotzdem. /P und /R lassen sich nicht in derselben Nachricht mischen. Und sobald die Gegenstation ein Sonderrufzeichen hat, gilt auch HB9HJI/P nicht mehr als Standard. Dazu unten mehr.
Präfixe und andere Suffixe: Klartext und Hash
Alles andere passt nicht in 28 Bit: DL/HB9HJI, HB9HJI/M, /MM, /QRP oder /3. Dafür gibt es Nachrichtentyp 4. Er trägt das lange Rufzeichen im Klartext, bis 11 Zeichen in 58 Bit, und das andere Rufzeichen nur als Hash mit 12 Bit. Für Locator und Rapport bleibt kein Platz mehr, nur noch zwei Bit für RRR, RR73 oder 73 und ein Bit für CQ.
Ein Hash ist eine Art Kurzzeichen. Er wird aus dem Rufzeichen berechnet, lässt sich aber nicht zurückrechnen. Die Empfangssoftware merkt sich darum die vollen Rufzeichen, die sie zuletzt dekodiert hat, und setzt sie in spitzen Klammern wieder ein: <DL/HB9HJI>. Hat sie das Rufzeichen noch nie im Klartext gesehen, steht da nur <…>. Auch in einer Standardnachricht kann statt eines Rufzeichens ein Hash stehen, dort mit 22 Bit. Zwei Rufzeichen mit demselben Hash sind möglich, laut den Entwicklern in der Praxis aber selten.
Was das im QSO bedeutet
- Kein Locator im CQ. «CQ DL/HB9HJI» geht, «CQ DL/HB9HJI JN47» nicht. Im Test hat der Packer das von Hand getippte CQ mit Locator kommentarlos als «CQ HB9HJI JN47» verpackt. Das Präfix war weg.
- Kein gerichtetes CQ. «CQ POTA DL/HB9HJI» passt in keinen Nachrichtentyp. WSJT-X macht daraus Freitext, und der ist auf 13 Zeichen begrenzt: Gesendet wird «CQ POTA DL/HB».
- Rapporte gibt es, aber nur mit Hash. In den Rapport-Nachrichten steht das zusammengesetzte Rufzeichen in Klammern. Voll gesendet wird es nur im CQ und bei RRR oder 73.
- <…> am Anfang. Wer Dich noch nie im Klartext empfangen hat, sieht <…>, bis Dein CQ oder RRR einmal durchkommt.
- Nur ein Sonderrufzeichen pro Nachricht. Zwei Sonderrufzeichen können laut User Guide gar nicht miteinander arbeiten. Hier kommt /P doch noch ins Spiel: Ruft eine Station mit Sonderrufzeichen HB9HJI/P an, rutscht auch das /P-Rufzeichen in den Sondertyp, und der Rapport fällt aus der Nachricht. Ohne /P läuft dasselbe QSO normal durch.
- PSK Reporter verliert die Position. Ohne Locator im CQ fehlt Karten und Spot-Diensten der Standort. Darauf weist der User Guide selbst hin.
- Mehr Raum für Logfehler. Was nur als Hash ankommt, wird gern falsch übernommen.
Zwei QSOs nebeneinander
Beide Abläufe stammen aus dem WSJT-X User Guide. Links ein Standard-QSO, rechts dasselbe mit einem zusammengesetzten Rufzeichen:
| Standard | Mit Sonderrufzeichen |
|---|---|
| CQ K1ABC FN42 | CQ PJ4/K1ABC |
| K1ABC G0XYZ IO91 | <PJ4/K1ABC> W9XYZ |
| G0XYZ K1ABC –19 | W9XYZ <PJ4/K1ABC> +03 |
| K1ABC G0XYZ R-22 | <PJ4/K1ABC> W9XYZ R-08 |
| G0XYZ K1ABC RRR | <W9XYZ> PJ4/K1ABC RRR |
| K1ABC G0XYZ 73 | PJ4/K1ABC <W9XYZ> 73 |
Rechts fehlen beide Locatoren, auch der des Anrufers, und PJ4/K1ABC steht nur in drei von sechs Zeilen ausgeschrieben.
Die Übersicht
| Rufzeichen | Nachrichtentyp | Locator im CQ | CQ POTA | Einschränkungen |
|---|---|---|---|---|
| HB9HJI | Standard (i3=1) | ja | ja | keine |
| HB9HJI/P | Standard mit /P-Bit (i3=2) | ja | ja | nicht mit /R mischbar, Probleme mit Sonderrufzeichen als Partner |
| HB9HJI/R | Standard mit /R-Bit (i3=1) | ja | ja | wie /P |
| HB9HJI/QRP | Typ 4 | nein | nein | Hash, <…> beim Partner |
| HB9HJI/MM, HB9HJI/M | Typ 4 | nein | nein | wie oben |
| HB9HJI/3 | Typ 4 | nein | nein | wie oben |
| DL/HB9HJI | Typ 4 | nein | nein | wie oben, im Ausland aber Pflicht |
Beispiele: was wirklich rausgeht
Diese Nachrichten habe ich durch den Packer aus dem WSJT-X-Quellcode geschickt. Links steht, was man eintippt, in der Mitte, was die Gegenstation dekodiert.
| Eingetippt | Kommt an als | Nachrichtentyp | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| CQ POTA HB9HJI JN47 | CQ POTA HB9HJI JN47 | Standard | geht |
| CQ POTA HB9HJI/P JN47 | CQ POTA HB9HJI/P JN47 | Standard mit /P | geht |
| CQ POTA HB9HJI/M JN47 | CQ POTA HB9HJI JN47 | Standard | /M fällt still weg |
| CQ HB9HJI/M | CQ HB9HJI/M | Typ 4 | geht, ohne Locator |
| CQ POTA HB9HJI/QRP JN47 | CQ POTA HB9HJI JN47 | Standard | /QRP fällt still weg |
| CQ HB9HJI/QRP | CQ HB9HJI/QRP | Typ 4 | geht, ohne Locator |
| CQ POTA DL/HB9HJI JN47 | CQ POTA HB9HJI JN47 | Standard | Präfix fällt still weg |
| CQ POTA DL/HB9HJI | CQ POTA DL/HB | Freitext | verstümmelt |
| CQ POTA DL/HB9HJI/P | CQ POTA DL/HB | Freitext | verstümmelt |
| CQ DL/HB9HJI JN47 | CQ HB9HJI JN47 | Standard | Präfix fällt still weg |
| CQ DL/HB9HJI | CQ DL/HB9HJI | Typ 4 | geht |
| CQ DL/HB9HJI/P | CQ DL/HB9HJI/P | Typ 4 | geht, /P aber unnötig |
| CQ POTA HB0/HB9HJI | CQ POTA HB0/H | Freitext | verstümmelt |
| CQ HB0/HB9HJI | CQ HB0/HB9HJI | Typ 4 | geht |
| DL1ABC DL/HB9HJI -10 | DL1ABC HB9HJI -10 | Standard | Präfix fällt still weg |
| DL1ABC <DL/HB9HJI> -10 | DL1ABC <DL/HB9HJI> -10 | Standard mit Hash | geht, so erzeugt es WSJT-X |
Das Gefährliche sind die Zeilen mit «fällt still weg». Der Packer meldet keinen Fehler, er verpackt einfach, was ins Standardformat passt, und der Zusatz fehlt. Im Ausland heisst das: Man funkt ohne das vorgeschriebene Präfix, ohne es zu merken.
Was rechtlich gilt
In der Schweiz ist /P freiwillig. In den Vorschriften des BAKOM heisst es, die Konzessionärin «kann» ihr Rufzeichen mit /P, /M, /MM oder /AM ergänzen. Die USKA schreibt, ein Suffix sei grundsätzlich freiwillig, in bestimmten Contest-Situationen aber Pflicht.
Im Ausland ist es umgekehrt. Nach der CEPT-Empfehlung T/R 61-01 sendet man sein eigenes Rufzeichen mit vorangestelltem Präfix des Gastlandes, getrennt durch einen Schrägstrich. Wer mit HB9-Lizenz in Liechtenstein funkt, muss HB0/ voranstellen. Gesetz geht vor Komfort. DL/HB9HJI mit allen Einschränkungen ist richtig, ein nacktes HB9HJI in Deutschland nicht.
Praxistipps
- POTA in HB9: ohne /P funken. Mit Standard-Partnern schadet /P nicht, mit Sonderrufzeichen schon, und nötig ist es nicht.
- POTA im Ausland: Landespräfix voranstellen, freiwillige Suffixe weglassen, sofern das Gastland nichts anderes verlangt. CQ ohne Locator und ohne «POTA», und Geduld, denn die Jäger sehen Dich zuerst als <…>. Dass es eine Aktivierung ist, erfahren sie über den POTA-Spot.
- Nichts von Hand tippen. Die von der Software erzeugten Nachrichten Tx1 bis Tx6 halten sich an die Regeln. Selbst getippte Texte können still umgebaut werden, siehe das verschwundene Präfix oben.
- Log kontrollieren: Rufzeichen, die nur in spitzen Klammern oder als <…> aufgetaucht sind, vor dem Hochladen prüfen.
Das gilt nicht nur für WSJT-X. JTDX, MSHV und andere Programme sprechen dasselbe 77-Bit-Protokoll, sonst könnten sie gar nicht miteinander funken.
Fazit
FT8 kommt durch einen Schrägstrich nicht durcheinander. Es hat schlicht feste Fächer, und ein Präfix passt nicht ins Standardfach. Mein Merksatz: Ein /P stört FT8 nicht, ein Präfix schon. Freiwillige Zusätze weglassen, vorgeschriebene senden.
Quellen
- Steven Franke K9AN, Bill Somerville G4WJS, Joe Taylor K1JT: The FT4 and FT8 Communication Protocols, QEX Juli/August 2020
- WSJT-X User Guide 2.7.0, Abschnitte 7.1 «Standard Exchange» und 7.5 «Nonstandard Callsigns»
- WSJT-X-Quellcode,
lib/77bit/packjt77.f90und77bit.txt(Spiegel des Repositorys, Stand März 2024), selbst kompiliert und getestet - CEPT-Empfehlung T/R 61-01, Abschnitt 2.3
- BAKOM: Amateurfunkdienst – Vorschriften, Ausgabe 22.01.2019, Art. 7 VFKV
- USKA: Rufzeichen & CEPT
73 de Chris, HB9HJI
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