Am kommenden Wochenende läuft der CQ World Wide DX Contest SSB, und für mich ist das der Contest schlechthin. 48 Stunden, sechs Bänder, die ganze Welt ruft CQ. 2020 habe ich als HB3XUC auf 80 m mit Low Power mitgemacht. Am Ende standen 4403 Punkte auf der Urkunde und dazu «#1 Switzerland» und «Switzerland Record». Ein Jahr später, schon als HB9HJI, gab es in der Rookie-Wertung mit High Power 104 544 Punkte: Platz 1 in der Schweiz, Platz 15 weltweit, Platz 8 in Europa, wieder Schweizer Rekord. Grosse Zahlen sind das nicht, aber es sind zwei Schweizer Rekorde.
Vor diesem Wochenende wollte ich wissen, woher dieser Contest eigentlich kommt, wer ihn betreibt und wer da vorne mitspielt. Hier ist, was ich gefunden habe.

Vor dem CQ WW: Nachrichten über den Atlantik
Am Anfang ging es nicht um Punkte, sondern um die Frage, ob kurze Wellen überhaupt über den Atlantik kommen. Die ARRL organisierte dafür ab 1921 die Transatlantic Tests. Am 11. Dezember 1921 empfing Paul Godley, 2ZE, im schottischen Ardrossan die Station 1BCG aus Connecticut, mit einer 1300 Fuss langen Drahtantenne nach Harold Beverage. Die heisst bis heute so.
Der erste internationale Wettbewerb, der den Namen verdient, folgte im Mai 1927: die ARRL International Relay Party. Stationen aus den USA und Kanada tauschten vorformulierte Nachrichten mit Stationen aus anderen Ländern aus und sammelten Punkte. 1928 gab es bereits Beobachter, Disqualifikationen und Preise. Daraus wurde der ARRL International DX Contest, der älteste noch laufende Contest im Amateurfunk.
1934 die Zonen, 1948 der erste CQ WW
Die Zonen, die wir am Wochenende als «59 14» durchgeben, sind älter als der Contest. Sie entstanden 1934 für das Diplom WAZ (Worked All Zones) der Zeitschrift «R/9». Damit ist WAZ älter als DXCC.
1939 organisierte Herb Becker, W6QD, von der Zeitschrift «Radio» den ersten «DX/WAZ Contest», schon damals mit einem CW- und einem Phone-Teil. 1940 wurde er abgesagt, kurz darauf verstummte der Amateurfunk in den USA wegen des Kriegs. Becker wechselte zur CQ, und im Oktober 1948 kündigte die Zeitschrift den ersten CQ World Wide DX Contest an. Phone lief vom 29. bis 31. Oktober, CW eine Woche später. Die Trennung in zwei Wochenenden gibt es also seit der ersten Ausgabe. 158 Phone-Logs und 559 CW-Logs kamen damals zusammen.
Wer heute dahintersteht
Veranstalter ist bis heute die Zeitschrift CQ. Die Arbeit macht ein Komitee aus rund zwanzig Contestern aus aller Welt, Director ist seit 2018 John Dorr, K1AR. Seine Unterschrift steht auch auf meinen Urkunden.
Vor allem die Logprüfung hat sich verändert. 1979 wurden die Logs zum ersten Mal per Computer geprüft. Heute läuft das weitgehend automatisch: 2025 wurden 91 Prozent aller SSB-QSOs mit dem Log der Gegenstation abgeglichen, die mittlere Genauigkeit lag bei 97,3 Prozent. Jeder Teilnehmer bekommt danach einen Bericht mit jedem falsch geloggten Rufzeichen und jedem «Not in Log». Das ist lehrreich.
Vom Papierlog zum Skimmer
Früher wurde mit Bleistift geloggt, Doppel-QSOs hakte man auf einem Dupe-Sheet ab. Dann kamen Logprogramme wie CT von K1EA, TR Log, Win-Test und N1MM Logger+. Seit 2000 gibt es das Cabrillo-Format, und Papierlogs sind Geschichte.

Die Kurve zeigt, wie der Contest gewachsen ist. Die Kategorien wuchsen mit: 1959 kamen Multi-Single und Multi-Multi, 1989 die Kategorie Assisted für Stationen mit DX-Cluster, 2002 Multi-Two. 2008 brachte zwei Dinge auf einmal: Die Logs wurden öffentlich, und mit CW Skimmer und dem Reverse Beacon Network begannen Maschinen, CW-Signale automatisch zu erkennen und zu melden. Ab 2009 schiesst die Kurve nach oben.
Eine Regel hat eine besonders schöne Geschichte. 1971 baute eine US-Station im Multi-Single eine «Octopus»-Station, die auf mehreren Bändern gleichzeitig lief. Die Regeln verlangten nur einen Sender «zur selben Zeit», ohne die Zeit festzulegen. Sie erreichte fast den doppelten Score der anderen. Seit 1972 gilt die 10-Minuten-Regel, und die gibt es noch heute.
Wer mitmacht
2025 kamen 10 576 SSB-Logs zusammen, so viele wie noch nie, und mit dem CW-Teil 19 005. Die SSB-Logs enthielten zusammen 5,15 Millionen QSOs.
Die meisten Logs kommen aus den USA, mit rund 2400 SSB-Logs. Dahinter folgen Deutschland mit 868, Japan, Italien und Polen. Japan und Russland machen auffällig mehr CW als SSB. Europa liefert fast die Hälfte aller Logs, Nordamerika knapp ein Drittel. Ganz Afrika stellt dagegen nur 0,6 Prozent, gerade einmal 45 All-Band-Logs.
Auch die Weltlage steckt in den Zahlen. Aus der Ukraine kamen 2021 noch 197 SSB-Logs, 2022 waren es 55, letztes Jahr wieder 140. Russische und belarussische Stationen liess CQ ab März 2022 nur noch als Checklog zu. Ab Herbst 2022 wurden sie wieder gewertet, aber ohne Auszeichnungen, und seit Herbst 2024 sind sie wieder voll berechtigt.
Wer gewinnt
Wer vorne mitspielen will, muss nach Afrika oder auf eine Atlantikinsel. Die Weltsieger der letzten Jahre heissen CN3A (Marokko), D4Z und D4C (Kap Verde), CR3A und CQ9A (Madeira) oder P33W (Zypern). Gefunkt wird dort meist von europäischen Teams. Der Grund steht in den Regeln: QSOs mit einem anderen Kontinent bringen drei Punkte, und Europa und Nordamerika liegen von dort aus beide in Reichweite. Das Team von PJ2T auf Curaçao fasst es nüchtern zusammen: Afrika wird immer gewinnen.
Der Multi-Multi-Rekord in SSB ist über 25 Jahre alt. CN8WW, ein deutsch geführtes Team in Marokko, holte im Jahr 2000 78,2 Millionen Punkte mit 25 711 QSOs. Rekorde fielen 2025 trotzdem reihenweise, über 300 in allen Kategorien. EF8R auf den Kanaren fuhr 25,7 Millionen Punkte als Single Op, Weltrekord. Der alte stammte von 1999. Das hat viel mit dem Sonnenzyklus zu tun, der im Oktober 2024 sein Maximum erreicht hat. 10 m war letztes Jahr das Band schlechthin.
In der Clubwertung führen der Frankford Radio Club in den USA und der Bavarian Contest Club im Rest der Welt, beide seit Jahren.
Und die Schweiz?
Aus der Schweiz kommen jedes Jahr rund 60 Logs, 2025 waren es 59 in SSB. Das sind etwa 0,6 Prozent aller Logs. Bis 2014 waren es oft nur zehn bis zwanzig, seit 2015 deutlich mehr.
Die stärkste Schweizer Station ist seit Jahren HB9H. Ihr gehört der beste Schweizer SSB-Score überhaupt: 8,5 Millionen Punkte im Multi-Two 2002. Letztes Jahr kam HB9H im Multi-Single mit 6,3 Millionen Punkten auf Platz 1 der Schweiz. Bei den Single Ops ist HB9TOC die Messlatte. Und Schweizer funken auch ganz vorne mit: HB9CAT war 2022 im Team von D4Z, das den Multi-Multi weltweit gewonnen hat.
Liechtenstein bleibt ein Exot. Aus HB0 kommen pro Jahr ein bis zwei Logs. Wer HB0 im Contest arbeitet, hat einen seltenen Multiplikator.
Neu 2026: Darauf solltest Du achten
- Das Log muss innerhalb von 48 Stunden hochgeladen sein, also bis Dienstag, 27. Oktober, 23:59 UTC. Bisher hatte man fünf Tage.
- Neu ist ein Verbot von Robotern. Frequenzwechsel, Anrufen und Loggen muss immer ein Mensch auslösen.
- Seit 2025 gibt es die Kategorie Multi-Distributed für Teams an mehreren Standorten im selben Land und derselben CQ-Zone.
- Gewertet wird auf 160, 80, 40, 20, 15 und 10 m. Die WARC-Bänder bleiben contestfrei, wer Ruhe will, findet sie dort.
- Der Austausch ist RS plus CQ-Zone, für uns in der Schweiz «59 14».
- Self-Spotting ist verboten. Die Logprüfung findet es, 2025 traf es 129 Stationen.
Wir hören uns
Der CQ WW ist 78 Jahre nach dem Start grösser als je zuvor, und zwar gerade wegen Computer, Cluster und Skimmer. Der Kern hat sich kaum geändert: zwei Rufzeichen, ein Rapport, eine Zone, und weiter zum Nächsten. Wer am Wochenende nur ein paar Stunden Zeit hat, sollte trotzdem mitmachen und das Log hochladen. Es zählt jedes Log, auch das mit 50 QSOs.
Wir hören uns auf den Bändern.
Quellen
- CQ WW: Geschichte, Organisation, Statistik, Rekorde, Clubwertung
- CQ WW Regeln 2026 und Resultate SSB 2025
- CQ WW: Geschichte der Kategorie Multi-Single
- CQ WW: Teilnahme Russland/Belarus
- ARRL: Transatlantic Tests und W2PA: International Relay Party 1927
- NCJ, Januar/Februar 2018: PJ2T
- SIDC: Maximum Sonnenzyklus 25
73 de Chris, HB9HJI
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