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Das FM-Funknetz: Sprechgruppen wie bei DMR, Klang wie FM

Am Montag habe ich hier berichtet, wie Michi HB9EIY unser Relais HB9TG ans FM-Funknetz angeschlossen hat. Inzwischen bin ich selbst drin, und zwar direkt vom Mac aus. Ich habe JaYTrX-Desk installiert, die Schweizer Sprechgruppen in die Monitor-Liste gepackt und den Scan laufen lassen. Das hat auf Anhieb geklappt. Was mich wirklich überrascht hat, ist der Ton: Der klingt um einiges besser als DMR.

Da habe ich mich gefragt: Was ist dieses FM-Funknetz eigentlich? Wer betreibt es, wie funktioniert es, und warum gibt es da Sprechgruppen mit Nummern wie bei DMR? Hier ist, was ich herausgefunden habe.

JaYTrX-Desk auf dem Mac: oben die Live-Anzeige, darunter LastHeard und die Buddy-Liste
JaYTrX-Desk auf dem Mac: oben die Live-Anzeige, darunter LastHeard und die Buddy-Liste

Aus Thüringen in den ganzen deutschsprachigen Raum

Angefangen hat alles Ende 2015 als «Relaisverbund Thueringen.link». 2016 ging der Verbund mit sechs Relais und ein paar Simplex-Zugängen auf Sendung. Die Idee dahinter kennt wohl jeder von uns: Die analogen Relais wurden immer ruhiger. DMR, D-STAR und C4FM hatten längst Sprechgruppen und Reflektoren, für FM gab es nur EchoLink.

Der Name passte schnell nicht mehr. 2018 reichte das Netz schon von Aachen bis Leipzig und von der Ostsee bis ins Zillertal. 2022 wurde daraus das FM-Funknetz. Anfang 2025 waren über 400 Stationen angeschlossen. Ich habe heute ins Dashboard geschaut: In den letzten sieben Tagen haben sich 1056 Rufzeichen mit gut 1500 Geräten gemeldet, mit zusammen 155 000 Durchgängen und 600 Stunden Sprechzeit. Das ist kein Nischenprojekt mehr.

Gegründet hat das Netz Jens, DJ1JAY, und er ist bis heute der Master-Sysop. Ein kleines Team kümmert sich um Anmeldungen, Wiki, Technik und Software. Betrieben wird das Ganze privat und kostenlos, finanziert über Spenden. Auch JaYTrX, die App und das Desk, stammt von Jens.

Die Technik: SvxLink und ein Reflektor

Das Herz des Netzes ist SvxLink. Die Software hat Tobias Blomberg, SM0SVX, aus Schweden 2003 als EchoLink-Programm für Linux angefangen. Heute ist sie eine komplette Relaissteuerung mit Repeater- und Simplex-Logik, DTMF-Befehlen und Modulen. 2017 kam der SvxReflector dazu, 2019 die Sprechgruppen.

Der Aufbau ist einfach. Jedes Relais und jeder Hotspot hat einen kleinen Rechner mit SvxLink, meist einen Raspberry Pi. Der verbindet sich übers Internet mit dem zentralen Reflektor. Der Reflektor schickt den Ton aber nicht an alle, sondern nur an die Stationen in derselben Sprechgruppe. Auf jedem Relais ist immer genau eine Sprechgruppe aktiv. Nach der Haltezeit fällt es auf seine eigene zurück, bei HB9TG ist das die 228030.

So hängt das FM-Funknetz zusammen: Funkgerät, Relais oder Hotspot, Reflektor, Sprechgruppen
So hängt das FM-Funknetz zusammen: Funkgerät, Relais oder Hotspot, Reflektor, Sprechgruppen

Warum es besser klingt als DMR

Auf der Funkstrecke ist es ganz normales analoges FM. Erst zwischen Relais und Reflektor wird der Ton digital übertragen, mit dem Audio-Codec Opus. Den kennt Ihr vielleicht aus Videokonferenzen. Im SvxReflector arbeitet er standardmässig mit rund 20 kbit/s.

DMR muss die Sprache auf 2450 Bit pro Sekunde zusammenpressen, das macht der Vocoder AMBE+2. Opus hat also etwa achtmal mehr Daten zur Verfügung, und das hört man. Dazu kommt: Wird das Signal schwach, rauscht FM einfach ein bisschen. Es gibt keinen Roboterklang und keine abgehackten Silben.

Woher kommen die Nummern?

Wer die Sprechgruppen sieht, denkt sofort an DMR. Das ist kein Zufall. Die Nummern sind an DMR angelehnt, auch wenn die beiden Netze nichts miteinander zu tun haben. Ihre Wurzeln liegen aber gar nicht im Amateurfunk, sondern im Mobilfunk.

Jede SIM-Karte trägt einen Mobile Country Code, kurz MCC. Die Länderkennungen legt die ITU in der Norm E.212 fest: 228 steht für die Schweiz, 262 für Deutschland und 232 für Österreich. DMR hat dieses Schema übernommen, für die Benutzer-IDs und die Ländergruppen. Das Handbuch des SvxReflectors empfiehlt sogar ausdrücklich, Sprechgruppen mit dem MCC des Landes beginnen zu lassen.

Die Nummern werden dann von vorne nach hinten immer genauer. Bei uns sieht das so aus:

Von der Ländervorwahl zum Relais: so sind die Schweizer Sprechgruppen aufgebaut
Von der Ländervorwahl zum Relais: so sind die Schweizer Sprechgruppen aufgebaut

Es gibt auch ein paar Sondernummern: TG 2 ist nur für den CQ-Anruf da, danach wechselt man in eine andere Gruppe. Auf TG 20 macht man Tests, und auf 9990 hört man sich selbst als Echo. Im Gegensatz zu DMR braucht es keinen Codeplug. Die Sprechgruppe wählst Du per DTMF mit 91, der Nummer und #, also für den Schweizer Anruf 912280#.

Die Schweizer Sprechgruppen

Das ist meine Monitor-Liste im JaYTrX-Desk, damit habe ich alle Schweizer Gruppen auf dem Schirm:

TGName
228Schweiz
2280CQ-Aufruf Deutschschweiz
228010HB9AK / SWISS-ARTG
228020HB9SG Sektion St. Gallen
228030HB9TG
228040HB9W Sektion Winterthur
228050HB9HD Hochfrequenz-Digitalgruppe
Meine Monitor-Liste mit allen Schweizer Sprechgruppen
Meine Monitor-Liste mit allen Schweizer Sprechgruppen

Noch sind nicht viele Schweizer Relais angeschlossen. Lange waren es nur HB9AK in Schleitheim, HB9AK-L auf dem Hörnli und HB9SG auf der Hohen Buche. Darum freut mich HB9TG umso mehr. Wenn Ihr in der 2280 ruft, hört Euch die ganze Deutschschweiz.

So machst Du mit

Senden dürfen nur lizenzierte Funkamateure, mithören darf jeder. Du hast drei Möglichkeiten:

  1. Über ein angeschlossenes Relais: Dafür reicht jedes FM-Gerät mit Subaudio und DTMF, und es braucht keine Anmeldung. Wie das bei HB9TG geht, steht in meinem Beitrag zu Michis Relais.
  2. Mit einem eigenen Hotspot: zum Beispiel ein SHARI- oder RF-Guru-Modul an einem Raspberry Pi. Das geht für unter 100 Euro. Etwas Linux-Wissen hilft, Anleitungen und fertige Images gibt es im Wiki und im Forum.
  3. Mit App oder Desktop-Programm: JaYTrX gibt es für Android, die iOS-Version soll noch dieses Jahr kommen. JaYTrX-Desk läuft auf macOS, Linux und Windows. Es kann scannen mit Prioritäten, zeigt LastHeard und eine Buddy-Liste und hat einen Chat. Es ist gratis, ohne Abo und ohne Werbung.

Für den Hotspot, die App und das Desk beantragst Du die Zugangsdaten im Ticketsystem des FM-Funknetzes. Bei mir waren sie nach sechs Minuten da, das hat mich wirklich beeindruckt.

Ein paar Spielregeln

  • Zu Beginn das eigene Rufzeichen nennen. «Test123 ist kein Rufzeichen», steht in den Regeln.
  • Zwischen den Durchgängen zwei bis vier Sekunden Pause lassen, damit andere einsteigen können.
  • Keine Politik, keine Beleidigungen, kein VOX.
  • Testen auf TG 20, nicht in der 2280.
  • Ein Relais im Netz nie zusätzlich per EchoLink mit einem anderen Netz-Relais verbinden, sonst entsteht eine Schleife.

Mein Fazit nach den ersten Tagen

Das FM-Funknetz zeigt, dass FM noch lange nicht tot ist. Man nimmt das alte Handfunkgerät, ruft über das Relais vor der Haustür und landet in einem Netz, in dem sich jede Woche über tausend Rufzeichen melden. Und es klingt dabei noch besser als die digitalen Betriebsarten. Ich bin gespannt, wie viel auf den Schweizer Gruppen in den nächsten Wochen los sein wird.

Ruft doch mal in der 2280 oder direkt auf 228030. Ich höre mit.

Links

73 de Chris, HB9HJI

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