Neulich im Pile-up wieder gehört: eine SSB-Station mitten im Digimode-Segment, und im Cluster ging das übliche Gezeter los. Dabei bin ich überzeugt: Die wenigsten, die daneben liegen, machen das absichtlich. Man hat den Bandplan halt einmal für die Prüfung gelernt und seither nie mehr angeschaut.
Zeit, das zu ändern. Hier ist der IARU-Region-1-Bandplan, so wie du ihn am Funkgerät tatsächlich brauchst: nicht als Paragraphensammlung, sondern als Antwort auf die Frage «wo darf ich was?».
Zuerst: Was der Bandplan ist – und was nicht
Der Bandplan ist kein Gesetz. Er ist eine Vereinbarung unter Funkamateuren, beschlossen von den IARU-Mitgliedsverbänden – für die Kurzwelle zuletzt angepasst an der Konferenz von Novi Sad, gültig seit dem 16. Oktober 2020. Die Schweiz wendet die IARU-Region-1-Pläne in der jeweils gültigen Fassung an, die USKA führt sie auf ihrer Webseite.
Dass er kein Gesetz ist, heisst aber nicht, dass er unwichtig wäre. Im Gegenteil: Der Bandplan ist der Grund, warum ein schwaches FT8-Signal nicht von einem 2,7-kHz-SSB-Träger plattgewalzt wird. Er funktioniert nur, wenn sich alle daran halten – und genau deshalb reagiert die Community empfindlich, wenn jemand quer im Band steht.
Ein Detail, das viele vergessen: Die Frequenzen im Plan sind Sendefrequenzen, nicht die Anzeige am VFO. Bei SSB liegt dein Signal ja neben dem unterdrückten Träger. Als Faustregel gilt darum: Bei USB die Skala mindestens 3 kHz unter der Bandobergrenze lassen, sonst ragst du hinaus.
Das Grundmuster: dreimal dasselbe
Die gute Nachricht: Du musst dir nicht zehn Bänder einzeln merken. Fast jedes Kurzwellenband folgt demselben Muster, von unten nach oben:
Zuerst CW. Am Bandanfang liegt immer die Telegrafie, mit maximal 200 Hz Bandbreite. Übrigens die einzige Betriebsart mit Sonderrecht: CW-Verbindungen sind über das ganze Band zulässig – ausser in den Bakensegmenten.
Dann die Schmalband-Digimodes. Direkt über CW folgen die Segmente mit 500 Hz Bandbreite: FT8, FT4, PSK, RTTY und Co. Hier liegen auch die Bereiche für automatisch arbeitende Stationen.
Dann alle Modi. Der grosse Rest gehört den «All modes»-Segmenten mit 2700 Hz – hier lebt SSB, hier wird gerufen, hier laufen die Contests.
Dazwischen, auf 20 m bis 10 m, liegt jeweils ein schmales Bakensegment (etwa 14’099–14’101 kHz). Dort senden die Baken des International Beacon Project – und sonst niemand. Wer dort ruft, sendet mitten in ein weltweites Messnetz.

Wo rufst du SSB?
Merken musst du dir vor allem die Untergrenzen der All-Mode-Segmente: 1’840, 3’600, 7’050, 14’101, 18’111, 21’151, 24’931 und 28’225 kHz. Darunter hat Sprache nichts verloren.
Unterhalb von 10 MHz wird LSB gefahren, darüber USB – mit einer Ausnahme: Auf dem 60-m-Band ist USB empfohlen. Für LSB gibt der Plan sogar die tiefste zulässige Skaleneinstellung an: 1’843, 3’603 und 7’053 kHz. Wer auf 7’050 LSB ruft, liegt also bereits daneben.
Und das 30-m-Band? Kein SSB. Gar keins. 10’100 bis 10’150 kHz gehören CW und den Schmalband-Digimodes – der Amateurfunk ist dort nur Sekundärnutzer, entsprechend zurückhaltend ist der Plan.
Wo funkst du FT8 und Co.?
Die Digimode-Segmente beginnen direkt über den CW-Bereichen: 3’570, 7’040, 10’130, 14’070, 18’095, 21’070, 24’915 und 28’070 kHz. Die bekannten FT8-Frequenzen (7’074, 14’074, 21’074 …) liegen sauber in diesen Segmenten – kein Zufall, sondern Absprache.
Wichtig ist die Bandbreiten-Logik: In diesen Segmenten gilt 500 Hz (auf 80 m im Bereich 3’570–3’580 sogar nur 200 Hz). Ein breites Signal gehört hier schlicht nicht hin.
Contest – und die Schutzzonen
Der Plan markiert Segmente als «contest preferred», etwa 3’600–3’650 und 7’060–7’100 kHz für SSB. Genauso wichtig ist die Umkehrung: Auf 60, 30, 17 und 12 m finden keine Contests statt. Wenn am grossen Contest-Wochenende auf 40 m kein Durchkommen ist, sind das deine Ausweichbänder – dafür sind sie gedacht.
Ebenfalls gut zu wissen: Um 14’195 kHz (±5) haben DXpeditionen Vorrang, und einige Frequenzen sind als Notfunk-Aktivitätszentren reserviert – 7’110, 14’300, 18’160 und 21’360 kHz. Dort kann man funken, aber wenn Notverkehr läuft, wird Platz gemacht. Sofort.
VHF und UHF: die Kurzfassung fürs Shack
Auf 2 m und 70 cm ist der Plan kleinteiliger, aber im Alltag brauchst du vor allem eine Handvoll Frequenzen – die stehen auf der Karte unten. Die wichtigsten Grundregeln:
Der Bereich 144,000–144,025 ist exklusiv für Satelliten-Downlinks, 145,806–146,000 gehört komplett den Satelliten, und auf 70 cm sind 435–438 MHz für den Satellitenfunk reserviert. Da hältst du dich raus, auch wenn es dort «frei» klingt – du hörst die Gegenstation im Orbit schlicht nicht.
144,800 ist APRS – wer dort in FM plaudert, legt den Digipeater-Verkehr der halben Region lahm. Und die Bakensegmente (144,400–144,490 und 432,400–432,490) sind wie auf Kurzwelle tabu.
Gerufen wird auf 145,500 (2 m FM), 433,500 (70 cm FM), 144,300 (2 m SSB) und 432,200 (70 cm SSB). Nach dem Anruf: QSY auf eine freie Frequenz, die Anruffrequenz bleibt frei.

Die fünf häufigsten Fehler
Aus Beobachtung auf den Bändern, ohne erhobenen Zeigefinger – passiert ist mir das eine oder andere davon auch schon:
Erstens: SSB unterhalb der All-Mode-Grenze, gerne auf 7’045 oder 14’090. Zweitens: Die Skala bei USB zu nah an der Bandobergrenze – das Signal ragt hinaus. Drittens: Senden im Bakensegment, meist aus Unwissen. Viertens: FM-Runden auf der Anruffrequenz statt QSY. Fünftens: Contest-Betrieb auf den contestfreien Bändern.
Alles keine Verbrechen. Aber alles vermeidbar, wenn man den Plan einmal mit dem eigenen Betrieb abgeglichen hat.
Zum Nachschlagen
Und wenn du es lieber interaktiv magst: Ich habe den Bandplan zusätzlich als interaktive Nachschlage-Seite gebaut – mit Suche, Filtern nach Band und Betriebsart und den Schweizer BAKOM-Zuteilungen samt Leistungsgrenzen.
Die offiziellen Dokumente findest du bei der IARU Region 1 und gesammelt bei der USKA unter uska.ch/bandplan – dort liegt auch der kompakte «Bandplan to go» als PDF für den Shack-Aushang und die Notfunk-Frequenzliste.
Mein Tipp: Druck dir den «to go» aus und kleb ihn neben den Transceiver. Meiner hängt seit Jahren dort – und wird öfter angeschaut, als ich zugeben möchte.
73 de Chris, HB9HJI