Wer schon einmal einen Park in FT8 aktiviert hat, kennt die Fensterschlacht. Links WSJT-X, rechts der Logger, irgendwo die Karte, oben die Uhr, und dazwischen der bange Blick, ob das QSO wirklich im richtigen Log mit der richtigen Park-Referenz gelandet ist. Auf einem 13-Zoll-MacBook im Wohnmobil oder auf dem Picknicktisch ist das kein Vergnügen. Seit Donnerstagabend ist das bei mir anders: HAM-Tools 1.57.0 bringt FT8 und FT4 selbst mit. Empfang, Senden, der QSO-Ablauf und das Loggen laufen im selben Programm wie das Logbuch.

Drei Schritte statt drei Programme
Erstens: Band wählen. Das Modul stellt das Funkgerät per CAT auf die FT8-Frequenz und in USB-D. Oben läuft ein Wasserfall über 60 Sekunden mit den UTC-Slotmarken; ein Klick setzt die Empfangsmarke, ein Klick mit gedrückter Umschalttaste die eigene Sendefrequenz.
Zweitens: den Automaten starten. Wer WSJT-X kennt, findet sich sofort zurecht, die Begriffe sind dieselben: Band Activity, QSO-Verlauf, Tx1 bis Tx6 mit Next und Now. Der Automat ruft CQ, sammelt die Anrufer in einer Warteschlange und arbeitet sie ab: Rapport, RR73, Log, nächster. Wer seit zwei Minuten nicht mehr zu hören war, wird übersprungen, und wer auf demselben Band schon im Log steht, erscheint rot und wird nur auf Klick gerufen.
Drittens: es landet im richtigen Log. Geloggt wird ins aktive Logbuch, mit dessen POTA-, SOTA- oder WWFF-Referenzen, und die Callbook-Daten werden nachgetragen. Und weil das Logbuch weiss, was es ist, ruft ein POTA-Log von selbst «CQ POTA», ein SOTA-Log «CQ SOTA». Einstellen muss man dafür nichts. Ein Detail, das mir beim Aktivieren wichtig war: Gesendet wird das Grundrufzeichen HB9HJI, geloggt aber der Operator des Logs, HB9HJI/P. Antworten an beide Schreibweisen erkennt das Modul.
Für die Jagd gibt es auch einen Weg: Doppelklick auf ein fremdes CQ, und das Modul ruft die Station, Tx1, Tx3, 73, die Periode wechselt es von selbst.
Warum nicht einfach WSJT-X fernsteuern?
Das war die erste Frage, und die Antwort ist der Feldbetrieb. Am 11. Oktober habe ich festgelegt: Die POTA-Aktivierung soll komplett in HAM-Tools laufen, ohne zweites Fenster. Darum kam zuerst der Aktivierer, das Jagen erst danach.
Für den Decoder hätte es einen naheliegenden Weg gegeben. Beim WSPR-Modul liefert HAM-Tools das Programm wsprd aus dem WSJT-X-Paket mit, und das funktioniert. Für FT8 wäre das jt9 gewesen. Nur: Das gibt es auf dem Mac nur für Intel, und es hängt an Qt, Boost und gfortran. Stattdessen steckt jetzt ft8_lib von Kārlis Goba in der App, eine schlanke Bibliothek unter MIT-Lizenz. Eine Stelle musste ich anpassen: ft8_lib verpackte RR73 anders als WSJT-X, jetzt geht es genauso raus wie dort.
Das Loggen selbst war schon da. Es läuft über denselben Weg wie die bestehende WSJT-X-Anbindung, mit Referenzen, Operator und Log-Rufzeichen. Wie beim FreeDV-Modul: Viel Neues entsteht, wenn man vorhandene Bausteine neu zusammensetzt.
Fünf Tage vom ersten Commit zum Release
Der erste Commit war am Sonntag, 11. Oktober. Am selben Abend um 19:27 UTC ging die erste Aussendung raus, und HI8J in der Dominikanischen Republik hat mich auf 7707 km mit −19 dB gehört, laut PSK Reporter. Am Montag der erste Livetest mit dem Automaten: IC-7300, 20 m, 15 bis 25 Watt, drei QSOs vom Automaten geloggt, OD5KU im Libanon, KA3MAJ in Pennsylvania, TA2ZLM in der Türkei. Am Dienstag bestätigte ein QSO mit EA2DR, dass das Grundrufzeichen ohne /P richtig rausgeht. Am Mittwoch lief das Modul bei einer echten POTA-Aktivierung in CH-0067, und was dort hakte, war vor dem Release am Donnerstagabend behoben. Und heute lief es bei der Aktivierung von CH-0296 mit der fertigen Version.
Kes M0PKZ hat FT8 inzwischen auch an seinem Flex-6300 ausprobiert und mit «ok» zurückgemeldet. Danke, Kes.

Ehrlich gesagt: kein WSJT-X-Ersatz
Der Decoder findet rund 70 Prozent dessen, was WSJT-X findet. Das steht so auch in der Hilfe, und es gehört hierher. Für den Aktivierer reicht das, weil die Anrufer auf die eigene Frequenz kommen. Wer schwache DX-Stationen am Rand des Rauschens jagt, bleibt bei WSJT-X. Das darf übrigens parallel am selben Audio-Eingang mithören, die beiden vertragen sich.
Praxis: HF im USB-Kabel
Eine Lehre vom Montag: Als ich die Leistung hochdrehte, brachen drei Aussendungen ab. HF im USB-Strang, die CAT-Verbindung stolpert, und das Modul lässt dann bewusst die PTT los, statt blind weiterzusenden. Bei 15 bis 25 Watt lief es stabil, und ein Ferrit am Kabel hilft. Wer FT8 aus dem Feld macht, kennt das vielleicht von anderen Programmen. Hier ist es wenigstens sichtbar: Warum ein Knopf gesperrt ist oder warum gerade nicht gesendet wird, steht immer als Text daneben.
Dazu gehören ein paar Sicherungen, die ich nicht verhandle. «TX enable» ist nach jedem Öffnen aus. Gesendet wird nur mit CAT-Verbindung und einem ausdrücklich gewählten Audio-Ausgang. Esc stoppt sofort, und ein Tx- und ein PTT-Watchdog sorgen dafür, dass nichts hängen bleibt. Wer mit wenig Strom unterwegs ist, kann den Wasserfall mit dem Schalter «Monitor» pausieren; Empfang und Automat laufen weiter.

Die Belohnung nach dem CQ
Mein Lieblingsteil kommt zum Schluss. Das Fenster «Wer hört mich?» zeigt auf einer Karte, wer meine Aussendung dekodiert und an PSK Reporter gemeldet hat, live über den MQTT-Feed von M0LTE und zusätzlich per Knopf über die offizielle Abfrage. Der laufende QSO-Partner wird orange hervorgehoben, mit Name, Land und Entfernung. Nach dem dritten CQ ins Leere sieht man so wenigstens, dass man gehört wird, nur nicht gerufen.
Eine Eigenheit gehört dazu: Die offizielle Abfrage liefert nur die neuesten rund 200 Meldungen der letzten sechs Stunden, und zwischen zwei Abrufen müssen fünf Minuten liegen. Hinter Mobilfunk oder Starlink, wo sich viele eine Adresse teilen, greift die Ratenbegrenzung schnell. Die App wartet dann 15 Minuten und sagt das auch.
Ausprobieren
HAM-Tools 1.57.0 gibt es über die Toolbox, die Anleitung zum Modul unter toolbox.funkwelt.net/help/modules/ft8. Wenn Du es im Feld ausprobierst, freue ich mich über Rückmeldungen, besonders zu Funkgeräten, die ich selbst nicht auf dem Tisch habe.
73 de Chris, HB9HJI
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