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HAM-Tools 1.61: Prognosen, DX-Assistent und ein Logbuch, das nicht mehr schwitzt

Mitte Oktober habe ich hier das FT8-Modul von HAM-Tools vorgestellt, damals mit Version 1.57. Seither sind gut zwei Wochen vergangen und fünf neue Versionen erschienen, dazu zwei Hotfixes. Zeit für einen Überblick, was sich getan hat und was als Nächstes kommt.

Das Logbuch mit CAT, DX-Cluster und Ausbreitungsanzeige: ein Klick auf den Spot füllt das Formular
Das Logbuch mit CAT, DX-Cluster und Ausbreitungsanzeige: ein Klick auf den Spot füllt das Formular

Log-Analyse: das eigene Log auf der Karte (1.58)

Neu in der Seitenleiste ist die Log-Analyse. Sie zeigt alle QSOs eines Logs auf einer Weltkarte, mit Grosskreislinien zu den Gegenstationen und den eigenen Standorten. Analysieren lässt sich das aktive Log, jedes andere Logbuch oder einfach eine ADIF-Datei.

Über eine Filterleiste grenzt Du nach Zeitraum, Band, Mode, Rufzeichen, Programm oder Referenz ein. Kacheln zeigen QSOs, Länder, Bänder und den besten DX. Für POTA, SOTA und WWFF wertet die Log-Analyse auch die eigenen Aktivierungen nach den Regeln aus. Darunter gibt es Diagramme und eine sortierbare Tabelle, und die Karte lässt sich als Bild exportieren. Contest-QSOs ohne Locator erscheinen am Mittelpunkt ihres Landes, sauber als Schätzung gekennzeichnet.

DX-Assistent: Was sollte ich jetzt arbeiten? (1.59)

Im DX-Cluster laufen im Contest Tausende Spots durch. Der neue DX-Assistent filtert daraus, was für das eigene Log wirklich zählt: ATNO, also ein neues Land, dazu NEW BAND, NEW MODE, DXpeditionen und die eigene Watchlist. Angezeigt wird das aber nur, wenn die Ausbreitung passt. Die Spalte «Beleg» nennt die Spotter in Deiner Nähe, die die Station in den letzten 15 Minuten gehört haben. Ohne frischen Beleg fällt die Zeile wieder raus.

Auf Wunsch meldet der Assistent neue Chancen mit Ton und macOS-Mitteilung. Am Funkgerät passiert dabei nichts ohne Deinen Klick.

Weitere Neuerungen im Logbuch:

  • Awards zählen nach den Regeln. Für DXCC, WAS und WAZ gelten nur noch LoTW und Papierkarten als bestätigt, denn eQSL akzeptiert die ARRL für keines ihrer Awards. Die Zahlen können dadurch sinken, sind dafür aber korrekt.
  • Bearbeitete QSOs werden nachgesendet. Wer nach dem Upload noch einen Rapport oder Locator korrigiert, hatte bisher abweichende Daten bei Club Log, LoTW, eQSL & Co. Jetzt merkt sich HAM-Tools solche Änderungen und schickt sie nach.
  • QSL-Karten lassen sich direkt im QSO-Editor erfassen, mit Datum und Weg (Direkt, Büro, Manager).
  • Das Logbuch hat ein IOTA-Feld bekommen.
Der DX-Assistent zeigt zwei NEW-BAND-Chancen, belegt durch Spotter in der Nähe
Der DX-Assistent zeigt zwei NEW-BAND-Chancen, belegt durch Spotter in der Nähe

Das Funkertreffen als Lasttest (1.60 und 1.61)

Am CQ WW SSB lief HAM-Tools bei unserem Funkertreffen beim HB9TG im Contest-Betrieb, mit CAT, Cluster und fünf offenen Fenstern. Dabei hat es sich spürbar träge angefühlt, und das war der Anstoss für zwei Versionen voller Leistungsarbeit. Alle CPU-Probleme, die wir dort unter Last gefunden haben, sind inzwischen behoben.

Die Ursache war nicht der Cluster selbst. Jede kleine Änderung, etwa ein neuer S-Meter-Wert oder ein neuer Spot, hat das ganze Logbuch-Fenster neu berechnen lassen. Jetzt aktualisieren sich nur noch die Teile, die den Wert auch anzeigen. Gemessen mit denselben Fenstern sank die CPU-Last im Contest-Betrieb von 23 auf rund 6 Prozent. In 1.61 kam der S-Meter dran: Mit verbundenem Transceiver lag die App vorher bei 14 Prozent, jetzt sind es noch 3,4 Prozent. Für einen Laptop im Wohnmobil oder bei einer POTA-Aktivierung heisst das mehr Akku.

Dazu kommen ein paar Dinge, die man im Contest sofort merkt:

  • Die Spotliste hält an, solange die Maus darüber liegt. Neue Spots schieben die Zeilen nicht mehr weg, eine orange Pille zählt sie. Am CQ WW hat man sonst gern die falsche Station angeklickt.
  • Die Super-Check-Partial-Suche über rund 230 000 Rufzeichen läuft im Hintergrund und bremst das Tippen nicht mehr.
  • Geschlossene Fenster rechnen nicht mehr unsichtbar weiter.

Neu: das Prognosen-Fenster (1.61)

Welches Band trägt gerade? Das neue Fenster Prognosen gibt darauf zwei Antworten:

  • Die NVIS-Ampel für 80, 60, 40 und 30 m, also für Verbindungen steil nach oben über 50 bis 300 km. Grundlage ist die kritische Frequenz foF2 über dem eigenen Locator.
  • Die Skip-Ampel für 20 bis 10 m, aus der MUF der Region.

Dazu kommen Kacheln mit foF2, Sonnenfleckenzahl und K-Index, die K-Prognose der NOAA für drei Tage, die foF2-Kurve über 48 Stunden und die nächsten Ionosonden mit Distanz und Alter der Messung. Die Daten stammen von Andrew KC2G, der ein Ionosphärenmodell laufend an die Messungen der Ionosonden anpasst. Grün gibt es nur, wenn eine frische Ionosonden-Messung in der Nähe die Prognose stützt, sonst bleibt die Ampel höchstens gelb.

Die Idee samt Mockup kam von Mark HB9DRN. Gerade für NVIS-Betrieb im Notfunk oder bei Outdoor-Aktivierungen ist das eine echte Hilfe.

Das Prognosen-Fenster am Abend: 160 m trägt, die höheren Bänder sind zu. Die Spalte zur D-Schicht stammt schon aus der nächsten Version
Das Prognosen-Fenster am Abend: 160 m trägt, die höheren Bänder sind zu. Die Spalte zur D-Schicht stammt schon aus der nächsten Version

FT8 und Spot-Klick

Auch im FT8-Modul hat sich einiges getan:

  • /P und /R werden mitgesendet, solange die Standardnachricht das zulässt. Präfixe und andere Suffixe fallen weiterhin weg. Warum das so ist, steht in meinem Beitrag zu Präfixen und Suffixen in FT8.
  • HAM-Tools spricht die WSJT-X-Schnittstelle. Programme wie GridTracker oder JTAlert sehen die Decodes und geloggten QSOs, als käme alles aus WSJT-X. Vorerst geht das nur in eine Richtung, Antworten und Sendestopp aus diesen Programmen folgen später.
  • Das Funkgerät folgt dem FT8-Modul jetzt ohne Klick auf «QSY».

Beim Klick auf einen Spot stimmen Seitenband und Frequenz jetzt auch dort, wo es bisher gehakt hat. Digimodes landen auf allen Bändern in USB-D. Bisher waren es unter 10 MHz LSB-D, und dort sind die Signale spiegelverkehrt. FT8-Spots gehen auf die Dial-Frequenz statt auf die gemeldete Signalfrequenz, und 60 m läuft in USB. Ausserdem schaltet ein Spot-Kommentar wie «TEAM» oder «CAMPING» nicht mehr auf AM.

Zwei Hotfixes

Ganz ohne Pannen ging es nicht. Beide Fehler sind aber schnell aufgefallen und noch am selben Tag behoben worden:

  • 1.61.1: Der Knopf «Transmit» im FT8-Modul rief immer «CQ POTA», auch aus einem normalen Log. Aufgefallen ist das René HB9HJL.
  • 1.61.2: Ich wollte das WLAN-Passwort des IC-705 sicherer ablegen, im macOS-Schlüsselbund statt im Klartext. Beim Testen ist ein viel grösserer Fehler aufgetaucht. War das Radio unter der gespeicherten IP nicht erreichbar, etwa nach einer neuen DHCP-Adresse, ist HAM-Tools beim Start abgestürzt, und zwar so schnell, dass man nicht einmal an die Einstellungen kam. Das ist behoben.

Wer betroffen ist und die App gar nicht mehr startet, kommt mit diesem Befehl im Terminal wieder rein:

defaults write com.hb9hji.hamrechner cat.autoConnect -bool false

Danach die App starten, in Settings → CAT die IP korrigieren und den Auto-Connect wieder einschalten. Oder einfach 1.61.2 von der Toolbox laden.

Was als Nächstes kommt

Für die nächste Version ist schon einiges fertig:

  • Baken (NCDXF): Ein neues Modul zeigt, welche der 18 Baken des internationalen Bakenprojekts gerade auf 20 bis 10 m sendet, mit Karte, Countdown und Zeitplan. Auf Wunsch folgt das Funkgerät per CAT einer Bake von Band zu Band.
  • Dämpfung in der Prognose: Die NVIS-Ampel rechnet die Dämpfung der D-Schicht mit ein. 80 m steht dann im Sommer mittags nicht mehr grün, und 160 m kommt dazu.
  • FT8: Die Band Activity zeigt Land und Entfernung wie in WSJT-X. «Wer hört mich?» sammelt die Empfangsberichte von PSK Reporter nach jeder Aussendung, auch ohne geöffnete Karte. Und wer ein CQ anklickt, antwortet jetzt im nächsten Slot statt erst eine halbe Minute später.
  • DX-Cluster: Alle Präfixe werden über die Länderliste von AD1C einem Land zugeordnet. Japanische Rufzeichen wie JF oder 7K stehen dann nicht mehr als «Unknown» in der Liste.
  • Das IC-705-Passwort liegt dann im Schlüsselbund.
Das neue Modul Baken (NCDXF): wer gerade sendet, die Pfade ab JN47PN und der Zeitplan für alle Bänder
Das neue Modul Baken (NCDXF): wer gerade sendet, die Pfade ab JN47PN und der Zeitplan für alle Bänder

Weiter hinten auf der Liste stehen RTTY, eine Verwaltung für Relais und Funkkanäle mit CHIRP-Import und der zweite Teil der WSJT-X-Schnittstelle. Wir arbeiten fleissig daran.

Danke

So ein Tempo geht nur mit Leuten, die testen und melden:

  • René HB9HJL testet unermüdlich und meldet zuverlässig, was auffällt.
  • Mark HB9DRN hat die Prognosen ins Rollen gebracht.
  • DL5IAO hat mit seinen Fehlerberichten die Korrekturen bei Spot-Klick, FT8 und Winlink angestossen und sich die neuen FT8-Spalten gewünscht.
  • Kes M0PKZ hat am Flex-6300 gemeldet, dass CAT beim Start nicht von selbst verbindet. Daraus wurde der Auto-Connect.

HAM-Tools läuft ab macOS 14. Die aktuelle Version gibt es auf toolbox.funkwelt.net, und dort steht auch das vollständige Changelog. Die App meldet neue Versionen von selbst.

73 de Chris, HB9HJI

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