HAM-Tools wächst weiter — was seit dem ersten Beitrag dazugekommen ist

Vor ein paar Wochen habe ich euch hier HAM-Tools vorgestellt — meine native macOS-App, die Logbuch, Award-Programme, DX-Cluster, CAT-Steuerung und über 25 Berechnungswerkzeuge unter einem Dach vereint. Damals war Version 1.8.2 aktuell. Inzwischen sind wir bei 1.13.0 angekommen, und es hat sich so viel getan, dass ein zweiter Beitrag fällig ist.

⚠️ Weiterhin Beta. HAM-Tools läuft im Alltag stabil und ich nutze es selbst täglich für Logging, POTA-Aktivierungen und CAT-Steuerung — aber es bleibt junge Software. Führt parallel ein Backup eures Logs (die App legt selbst Auto-Backups an, ein regelmäßiger ADIF-Export schadet trotzdem nicht). Feedback und Bug-Reports sind ausdrücklich erwünscht — vieles von dem, was hier folgt, ist direkt aus Tester-Rückmeldungen entstanden.

Hier die Highlights, nach Themen sortiert statt Version für Version.

Contents

🆕 Das Highlight: IC-705 komplett kabellos per WLAN steuern

Der frischeste Zugang in Version 1.13.0 ist für IC-705-Besitzer ein echter Gamechanger: HAM-Tools spricht das Icom-Netzwerkprotokoll (RS-BA1, UDP) jetzt direkt — also genau das, was sonst nur die RS-BA1-Software von Icom oder Tools wie wfview können. Heißt konkret:

  • Kein Kabel, keine Zusatzsoftware. Kein wfview, kein kappanhang, kein USB-Strippen-Ziehen. In den CAT-Einstellungen einfach Radio-IP, Benutzer und Passwort eintragen (die legt ihr im Radio unter Set → Network → Network User an) — fertig.
  • Frequenz, Mode und S-Meter kommen live übers WLAN ins QSO-Formular. QSY per Spot-Klick und PTT funktionieren ebenfalls über die Luftschnittstelle.
  • Outdoor ganz ohne Infrastruktur: Der IC-705 kann selbst als Access Point ein eigenes WLAN aufspannen. Der Mac verbindet sich dann direkt mit dem Funkgerät — kein Router, kein Hotspot nötig. Perfekt für die Parkbank-Aktivierung, bei der das Funkgerät im Rucksack bleibt und der Laptop daneben liegt.

Wer lieber bei seinem bestehenden Setup bleibt: Es gibt zusätzlich den neuen Verbindungstyp „Netzwerk (rigctld)», mit dem ihr euch an einen bereits laufenden, externen rigctld andocken könnt (z. B. von wfview/kappanhang oder einem Shack-PC). Das funktioniert für jedes Hamlib-fähige Rig im LAN, nicht nur für den IC-705.

Ein bewusster Hinweis: Das Audio läuft nicht über HAM-Tools — für Digital-Modes nutzt ihr weiterhin WSJT-X & Co. CW-Keying und die rig-internen Voice-Memories funktionieren aber.

📡 Rund um die CAT-Steuerung

Der WLAN-Zugang ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe von CAT-Verbesserungen der letzten Wochen:

  • CAT mit WSJT-X teilen. HAM-Tools hält seinen eingebetteten rigctld jetzt als lokalen Server offen, sodass WSJT-X parallel dasselbe Funkgerät nutzen kann — ohne dass ihr in HAM-Tools die CAT-Verbindung trennen müsst. Inklusive Ein-Klick-Schalter und der fertigen WSJT-X-Konfiguration zum Kopieren.
  • „Band folgt TRX». Optional ziehen Spot-Liste, Weltkarte und Logbuch-Filter automatisch mit, wenn ihr am Radio (oder über WSJT-X) das Band wechselt.
  • Mehrere Icoms am selben Mac sind jetzt zuverlässig unterscheidbar (Port-Picker zeigt Produktname + Seriennummer), und nach Crash oder USB-Replug werden verwaiste rigctld-Prozesse sauber aufgeräumt — der zweite Transceiver verbindet wieder zuverlässig.
  • Echter TUNE-Knopf für moderne Yaesu, der wirklich einen Antennentuner-Abgleich auslöst statt den Tuner nur abzuschalten.

🗺️ DX-Cluster: DXpeditionen im Blick

Im DX-Cluster ist mit 1.12.1 ein neuer „DXpeditions»-Tab dazugekommen:

  • Er lädt die NG3K-ADXO-Liste angekündigter und laufender DXpeditionen mit Entity, Zeitraum, QSL-Info und Beschreibung. Aktuell aktive (QRV) sind grün hervorgehoben und stehen oben.
  • Alerts: Sobald eine von euch überwachte DXpedition während ihres QRV-Zeitfensters im Cluster gespottet wird, gibt es eine macOS-Mitteilung. Matching exakt oder über den Präfix (z. B. 5Z4 fängt auch 5Z4/MM0ZBH), mit globalem Schalter und Häkchen pro Eintrag — und einem Cooldown gegen Pile-Up-Spam.
  • Passende Spots tragen in der Liste ein cyanfarbenes ✈-Symbol.

Dazu kamen schon etwas früher eine Internet- und Cluster-Status-Pille in der Logbuch-Top-Bar (gehen QRZ/Cluster/Uploads gerade?), ein „Letzte QSOs»-Panel in der Sidebar (zeigt sofort, ob ein Call ein ATNO ist) und eine bidirektionale Verknüpfung zwischen Spot-Liste und Weltkarte.

🧮 Acht neue Rechner und volle englische Oberfläche

Der Rechner-Teil — das ursprüngliche Herzstück der App — ist mit 1.12.0 kräftig gewachsen. Acht neue Werkzeuge sind dazugekommen, alle parallel auch in der Web-Toolbox unter toolbox.funkwelt.net:

  • RF-Exposure / Sicherheitsabstand nach ICNIRP-Referenzwerten, mit Grenzwert-Ampel und Hinweis auf den strengeren NISV-Anlagegrenzwert
  • Akku-Laufzeit mit Akkutyp-Presets (LiFePO₄, Blei-AGM, Li-Ion, NiMH) und RX-/TX-Lastanteil
  • DC-Spannungsabfall der 12-V-Speiseleitung inkl. empfohlenem Mindestquerschnitt
  • Trap-Dipol (Sperrkreis-Auslegung L↔C)
  • λ/4-Transformator (Q-Section) mit Koax-Vergleich
  • Funkhorizont / Sichtweite für VHF/UHF mit Refraktionsfaktor
  • Hühnerleiter / Zweidrahtleitung (Wellenwiderstand aus Geometrie)
  • Reaktanz & LC-Resonanz

Und das Wichtigste für unsere internationalen OMs und YLs: Die gesamte Oberfläche ist jetzt vollständig auf Englisch verfügbar.

🛰️ NEC2-Antennen-Simulator stark ausgebaut

Der browserbasierte NEC2-Simulator (per WebAssembly, in die native App eingebettet) hat in 1.11.0/1.11.1 einen großen Sprung gemacht:

  • Pattern-Kennzahlen wie Abstrahlwinkel, Vor/Rück-Verhältnis und −3 dB-Öffnungswinkel werden direkt aus dem Strahlungsdiagramm berechnet.
  • Boden-Katalog mit acht Bodentypen (von Salzwasser bis Wüste) statt nur „realer Boden».
  • Höhe über Boden als Regler — der Einfluss der Aufbauhöhe auf Gewinn und Abstrahlwinkel ist live durchspielbar.
  • „SWR über Band» macht per Klick einen Frequenz-Sweep über die Bandgrenzen.
  • Der Hexbeam nutzt jetzt die echte, getunte G3TXQ-Geometrie aus dem Original-EZNEC-Modell — NEC-verifiziert resonant über alle Bänder mit klarer Richtwirkung.

Parallel habe ich 27 Antennen-Rechner gegen anerkannte Quellen (Cebik W4RNL, G3TXQ, DF4SA, ARRL …) gegengeprüft und dabei u. a. einen kräftigen Moxon-Rechenfehler korrigiert. Neu ist außerdem ein ATU-Drahtrechner, der optimale Drahtlängen für automatische Antennentuner findet und Halbwellen-Resonanzen vermeidet.

📖 Logbuch & Contest

Auch unter der Haube hat sich einiges getan:

  • Gemeinsamer ADIFCore-Kern: Die komplette ADIF-Maschinerie liegt jetzt in einem eigenständigen, getesteten Paket, das HAM-Tools mit meiner zweiten App MacADIF teilt. Format- und Wertungs-Fixes muss ich damit nur noch an einer Stelle machen.
  • Neu aufgebautes, reglementkonformes Contest-Scoring über eine deklarative Scoring-Engine — echtes Punktezählen statt Platzhalter-1-Punkt-pro-QSO für viele Conteste (der Contest-Teil bleibt aber noch in Erprobung, Endpunktzahlen vor einer Einreichung bitte prüfen).
  • Multi-Park-Split für POTA/WWFF/BOTA: Bei Mehrfach-Aktivierungen schreibt der ADIF-Export jetzt pro Ref eine eigene Datei — genau so, wie es die Upload-Portale verlangen.
  • Ein eigenes SOTA-CSV-Export-Sheet (Activator + Chaser, mit Validierung) und ein Programm-Picker, der beim Outdoor-Tab fragt, welches Programm ihr loggen wollt, statt POTA aufzudrängen.

Verfügbarkeit

HAM-Tools steht weiterhin unter MIT-Lizenz und ist als Developer-ID-signiertes DMG verfügbar — am einfachsten direkt aus der App über den Update-Check, oder manuell von toolbox.funkwelt.net. Voraussetzung ist macOS 14 (Sonoma) oder neuer, getestet bis macOS 26 (Tahoe), als Universal-Build für Apple Silicon und Intel.

→ Quellcode auf GitHub

Danke fürs Feedback!

Ein großer Teil der hier beschriebenen Verbesserungen ist direkt aus euren Rückmeldungen entstanden — besonders danke an Rene HB9HJL für die vielen praxisnahen Anregungen. Genau so soll Beta-Software wachsen. Wenn ihr Bugs findet, Features vermisst oder Ideen habt:

73 de HB9HJI
Christian Mueller, JN47PN

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