Bunker statt Gipfel: Die erste Schweizer Outdoor-Radio Aktivitätswoche

Es gibt Wochenenden, da weiss man vorher, dass es voll wird auf den Bändern. Vom 24. Juli bis zum 2. August ist so eine Zeit: Die erste Schweizer Outdoor-Radio Aktivitätswoche steht an, und im Zentrum stehen unsere Bunker.

Ich finde die Idee grossartig. Wir laufen in der Schweiz buchstäblich über Militärgeschichte, ohne es zu merken. Jetzt bekommt sie eine Frequenz.

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Was BOTA überhaupt ist

Wer POTA oder SOTA kennt, ist schnell drin. Bei «Bunkers on the Air» funkst du nicht von einem Gipfel oder aus einem Park, sondern von einem ehemaligen Militärwerk: Bunker, Festungsanlagen, unterirdische Werke.

Das internationale Dachprogramm WWBOTA gibt es seit Juni 2025, es umfasst inzwischen über 25 Länder. Die Schweiz ist erst seit dem 17. April 2026 dabei. Gegründet haben die Sektion HBBOTA Johann, HB9HXX, und Sylvia, HB9INY. Die allererste Schweizer Referenz B/HB-0001 ging ans Infanteriewerk Etzel Ost.

Und jetzt kommt die Zahl, die mich umgehauen hat: Mittlerweile sind über 4000 Schweizer Standorte gelistet. Viertausend. Die Chance ist also ziemlich gross, dass in Velodistanz von deinem Shack einer liegt.

Damit ein Werk zählt, muss es drei Kriterien erfüllen: Es stammt aus der Zeit der beiden Weltkriege oder des Kalten Krieges, es wurde vom Schweizer Militär gebaut und trägt eine offizielle A-Nummer, und sein Standort ist öffentlich bekannt.

Die Woche hat zwei Teile

Das ist der Punkt, den man verstanden haben muss, weil unterschiedliche Regeln gelten.

24. bis 26. Juli: WWBOTA Bunkerfest. Das ist der internationale Auftakt, 72 Stunden von Freitag 0000z bis Sonntag 2359z, weltweit und im zweiten Jahr. Die BOTA-Leute in unseren Nachbarländern warten regelrecht darauf, Schweizer Bunker ins Log zu bekommen. Weil die europäischen Untergruppen koordiniert ausschwärmen, sind in diesen drei Tagen Verbindungen von Bunker zu Bunker deutlich einfacher als sonst.

1. und 2. August: HBBOTA-Wochenende. Die Organisatoren haben die Aktivität bewusst über den Nationalfeiertag verlängert. Passt ja auch: Bundesfeier und Landesverteidigungs-Geschichte am selben Wochenende.

Dazwischen liegt die ganze Woche — funken darfst du natürlich auch am Dienstag.

Ablauf der Aktivitätswoche mit Bunkerfest und HBBOTA-Wochenende
Die Aktivitätswoche in zwei Etappen: international, dann national.

Wie viele QSOs brauchst du wirklich?

Hier wird es interessant, und hier steckt der Fehler, den man leicht macht. Es sind nämlich drei verschiedene Regelwerke im Spiel, und sie verlangen Unterschiedliches.

Für das Schweizer HBBOTA-Diplom reichen 10 QSOs auf Kurzwelle oder gemischt. Bei reinem VHF/UHF/SHF-Betrieb sind es 5.

Für die internationalen WWBOTA-Diplome brauchst du 25 QSOs auf Kurzwelle oder gemischt, 5 bei reinem VHF und darüber.

Beim Bunkerfest vom 24. bis 26. Juli gelten nochmals eigene Zahlen: 25 QSOs auf Kurzwelle, 10 auf VHF. Und zwei Sonderregeln, die man kennen muss: Es zählt nur ein Bunker pro Aktivierung — auch wenn du in einer Zone stehst, die mehrere abdeckt. Und wenn du auf einen anderen Bunker wechselst, musst du mindestens 10 Minuten Pause machen, sonst wirft das Log-System die QSOs raus.

QSO-Mindestzahlen für HBBOTA, WWBOTA und Bunkerfest im Vergleich
Drei Regelwerke, drei Zahlen — die häufigste Stolperfalle.

Die gute Nachricht für Einsteiger: Mit den 10 QSOs für das Schweizer Diplom ist die Hürde tief. Das schafft man an einem entspannten Nachmittag.

Für alle Regelwerke gilt: Ein Rufzeichen zählt nur einmal, auch wenn du es auf mehreren Bändern arbeitest. Und es zählt nur direkter Funkverkehr — keine Relais, keine Satelliten, keine Gateways.

Drei Diplome mit einer Antenne

Das ist für mich das eigentliche Schmankerl der Aktion. An etlichen Schweizer Standorten liegen die Zonen von SOTA, POTA und BOTA übereinander. Du baust einmal auf und sammelst dreifach.

Sylvia, HB9INY, hat dafür eine Liste mit konkreten Kombinationen zusammengestellt. Ein paar Beispiele: die Rigi Kulm (HB/SZ-021) im POTA-Gebiet Vierwaldstättersee mit gleich vier Bunkerreferenzen, der Chasseral über Mont Soleil (HB/BE-169), oder die Schartenflue (HB/SO-015) auf dem Gempenplateau. Insgesamt stehen rund fünfzehn solcher Dreier-Standorte auf der Liste — und wer weitere findet, darf sie melden.

Ein wichtiger Hinweis aus der Praxis, den die Organisatoren extra betonen: Prüfe die Zonen vorher genau. Die SOTA-Zone liegt nicht automatisch vollständig in der BOTA-Zone. Es kann also sein, dass du den Standort ein paar hundert Meter verschieben musst, damit wirklich alles zählt. Zur Planung helfen pota-map.fr und aro.travel.

Praktisches für die Aktivierung

Die Aktivierungszone ist ein Kreis mit 1000 Metern Radius um die angegebenen Koordinaten. Und jetzt das Entscheidende: Du musst den Bunker weder sehen noch betreten. Du musst nur innerhalb des Kilometers sein. Das nimmt dem Ganzen jede Heikelkeit.

Wer tatsächlich aus dem Inneren einer Anlage funken möchte, wendet sich am besten an die Vereine «Funk aus Festungen» oder «HB on Air» — die haben Zugang und Erfahrung.

Als Anruffrequenzen haben sich eingespielt:

BandFrequenzBetriebsart
80 m3,660 MHzLSB
40 m7,160 MHzLSB
20 m14,260 MHzUSB
15 m21,360 MHzUSB
10 m28,460 MHzUSB
6 m51,510 MHzFM
2 m145,525 MHzFM (Anruf)
2 m144,325 MHzSSB (DX)
70 cm433,525 MHzFM

Gerufen wird schlicht mit «CQ BOTA».

Loggen und spotten läuft über die WWBOTA-Infrastruktur: Viele nutzen die App Ham2K PoLo, die Spots direkt an den WWBOTA-Cluster schickt. Alternativ lädst du dein ADIF-Log im WWBOTA-Logger hoch — dafür brauchst du ein kostenloses Konto auf wwbota.net. Jäger müssen übrigens nichts tun: Ihre QSOs werden aus den Aktivierer-Logs extrahiert.

Und das Wichtigste: Kopf einschalten

Ein Punkt, den die Organisatoren deutlich machen und den ich gerne wiederhole: Die Listung eines Bunkers gibt dir kein Zutrittsrecht. Gesperrte oder sensible Anlagen aktivierst du von ausserhalb — die 1000-Meter-Zone gibt dir dafür reichlich Spielraum. Zugang und Sicherheit liegen komplett in deiner Verantwortung, weder WWBOTA noch HBBOTA haften dafür.

Kurz: Nicht über Zäune klettern. Es ist ein Hobby.

Mein Tipp fürs Logbuch

Wenn du mit Ham-Tools loggst, ist BOTA seit Mai eingebaut — mit der kompletten WWBOTA-Referenzliste an Bord und einem ADIF-Export, der dem offiziellen WWBOTA-Format entspricht. Für die Dreifach-Standorte kannst du Cross-Referenzen setzen, also POTA, SOTA und BOTA am selben QSO. Genau der Fall, der diese Woche interessant wird.

Also dann

Such dir einen Bunker in deiner Nähe, wirf das portable Rig ins Auto und mach eine Aktivierung. Zehn QSOs, mehr braucht es für den Schweizer Anfang nicht. Und wenn du keine Lust auf Aufbau hast: Als Jäger reicht das Ohr am Empfänger.

Ich werde in dieser Woche sicher ein paarmal QRV sein. Vielleicht hören wir uns — von Bunker zu Bunker wäre am schönsten.

Alle Details, die Referenzlisten und die Karte gibt es bei HBBOTA auf wwbota.net, die Schweizer Infoseite mit den Dreier-Kombinationen führt Sylvia HB9INY hier, und die Bunkerfest-Regeln stehen hier.

73 de Chris, HB9HJI — und «CQ BOTA»!

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