Diese App verdankt ihre Existenz einem gescheiterten QSO.
Mein Funkkollege Michi, HB9EIY, machte Ferien in den Flumserbergen. Ich sitze gerade in Graubünden. Zwei Funkamateure, beide in den Bergen, Luftlinie überschaubar – also probieren wir es auf 2 m direkt. Keine Chance. Gut, dachten wir, dann halt über das Relais auf dem Säntis, das hört man ja von überall.
Von hier nicht.
Und da stand sie im Raum, diese Frage, die jeder UKW-Funker kennt: Warum eigentlich nicht? Man ahnt ja, dass irgendwo ein Berg im Weg steht. Aber welcher? Und wie viel fehlt – zehn Meter oder tausend?
Statt zu rätseln, habe ich es ausgerechnet. Und weil ich schon dabei war, gleich eine App daraus gemacht.
Was QTH-Locator macht
Die Idee ist simpel: Du setzt auf der Karte dein QTH und die Gegenstation – per Klick, per Locator, per Koordinate oder einfach mit dem Ortsnamen («Säntis» genügt). Darunter zeichnet die App das Höhenprofil des Funkpfades, mit Sichtlinie, Erdkrümmung und der ersten Fresnel-Zone für das gewählte Band.
Das Urteil steht in Klartext darüber: Sichtverbindung frei, Fresnel-Zone angeschnitten – oder eben «Gelände im Weg».
Bei meinem Säntis-Versuch sieht das so aus:

Distanz 61 km, Peilung 357 Grad – und bei Kilometer 21,8 schiebt sich ein Dreitausender in den Pfad. Der Freiraum beträgt minus 1151 Meter. Das ist keine Grenzsituation, bei der eine bessere Antenne hilft. Das ist ein Berg. Rätsel gelöst, Frust verwandelt in Erkenntnis – und Michi und ich wussten immerhin, dass wir nichts falsch gemacht hatten.
Die Physik dahinter, kurz erklärt
Für ein sauberes UKW-Signal reicht es nicht, dass die direkte Sichtlinie frei ist. Funkwellen brauchen Platz drumherum – die sogenannte Fresnel-Zone, einen Rotationsellipsoid um die Sichtlinie. Ragt Gelände hinein, wird das Signal gedämpft, auch wenn man die Gegenstation theoretisch «sehen» könnte. Und die Zone ist frequenzabhängig: Je tiefer die Frequenz, desto dicker der Schlauch. Deshalb kippt das Urteil in der App manchmal sichtbar, wenn man vom 2-m- aufs 70-cm-Band wechselt – gleicher Pfad, anderes Ergebnis.
Dazu kommt die Erdkrümmung: Auf 61 Kilometern wölbt sich die Erde rund 50 Meter in den Pfad. Die App rechnet mit der üblichen Standardrefraktion k = 4/3, einstellbar für die, die es genauer wollen. Und weil Höhenmodelle nur den nackten Boden kennen, gibt es einen zuschaltbaren Bewuchszuschlag – der Wald auf dem Hügelkamm ist für dein Signal genauso real wie der Fels darunter.
Alles Dinge, die man als UKW-Funker irgendwann mal gelernt hat. Aber es ist etwas anderes, sie auf einen Blick für den eigenen, konkreten Pfad zu sehen.
Was sonst noch drinsteckt
Ein paar Details, auf die ich beim Bauen Wert gelegt habe:
Ein Eingabefeld für alles. Locator (2 bis 10 Stellen), Koordinaten in jedem üblichen Format, Ortsname, Berg, Sehenswürdigkeit – sogar Kartenlinks von Apple, Google und OpenStreetMap werden erkannt. Einfügen, fertig.
Schweizer Höhendaten von swisstopo, weltweit Open-Meteo oder SRTM. Einmal geladene Höhen und Kartenkacheln bleiben im Cache – die App funktioniert danach auch ohne Verbindung. Für den Einsatz im Feld, wo man sie am ehesten braucht, ist das kein Detail, sondern Voraussetzung.
Kennzahlen für Funker: Distanz, Peilung und Gegenpeilung, engste Stelle, Freiraum, QRB-Punkte. Der Cursor im Höhenprofil zeigt den passenden Punkt auf der Karte – man sieht also sofort, welcher Hügel genau das Problem ist.
Die Bänder reichen von 10 m bis 3 cm, die Einheiten lassen sich auf Meilen und Fuss umstellen, und Updates kommen über Sparkle – geprüft wird nur auf Nachfrage, die App telefoniert nicht ungefragt nach Hause.
Kostenlos und quelloffen
QTH-Locator ist in Version 1.0.1 die erste öffentliche Fassung – nativ für macOS (14 oder neuer, Apple Silicon und Intel), unter MIT-Lizenz, der Quellcode liegt offen.
Alle Downloads und Details findest du auf meiner Software-Seite.
Und ein Ausblick: Wenn die App fertig durchgetestet ist, wandert die Pfadprüfung auch in Ham-Tools – nach dem gleichen Prinzip wie immer: Was sich als eigenständiges Werkzeug bewährt hat, wird eingebaut, nicht nachgebaut.
Probier es aus
Der schönste Anwendungsfall ist genau der, mit dem alles anfing: Du willst wissen, ob du von deinem Standort ein bestimmtes Relais, einen Gipfel oder den Kollegen im Nachbartal erreichst – bevor du eine Stunde lang vergeblich rufst. Oder du planst eine SOTA-/POTA-Aktivierung und willst vorher wissen, in welche Richtung sich der Aufbau lohnt.
Und manchmal ist die Antwort eben: Da steht ein Dreitausender im Weg, du kannst nichts dafür. Auch das ist eine Antwort. Sie spart Zeit, Frust – und liefert beim nächsten Treffen mit Michi das Gesprächsthema gleich mit.
73 de Chris, HB9HJI