Mehrere von euch haben mich in den letzten Tagen darauf angesprochen: Der Schweizer D-Star-Reflektor REF098 ist nicht erreichbar. Das Dashboard unter ref098.dstargateway.org lädt nicht, und wer sein Relais oder seinen Hotspot mit dem Reflektor verlinken will, beisst auf Granit. Ich konnte das Problem bei mir sofort nachvollziehen — weder die Webseite noch der D-Plus-Link wollten. Danke für die Hinweise! Hier ist, was ich bei der Fehlersuche herausgefunden habe.
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Schritt für Schritt zur Diagnose
Bevor man bei einer solchen Störung mit dem Finger auf den Server zeigt, lohnt sich ein systematischer Test. Genau so bin ich vorgegangen:
Erstens: Stimmt der DNS-Eintrag noch? Ja. Der Name ref098.dstargateway.org löst sauber auf die IP-Adresse 195.225.116.252 auf. Wäre hier schon Schluss gewesen, hätte es auf ein Konfigurations- oder Registrierungsproblem hingedeutet.
Zweitens: Antwortet der Webserver? Nein. Weder via HTTPS noch via HTTP kommt eine Antwort — der Browser läuft in einen Timeout. Das Dashboard ist also nicht bloss «kaputt», der Host reagiert schlicht nicht.
Drittens: Klappt der D-Star-Link? Ebenfalls nein. D-Plus läuft auf demselben Server (UDP-Port 20001). Wenn Webserver und Reflektor-Dienst gleichzeitig schweigen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Maschine selbst oder ihre Internetanbindung weg.
Viertens, und das ist der wichtigste Schritt: die Gegenprobe. Das Dashboard von REF001 (ref001.dstargateway.org) lädt ohne Zögern. Das US-Trust/DPLUS-Netz als Ganzes läuft also. Es ist wirklich nur der REF098-Host betroffen — und nicht etwa mein Anschluss, mein Router oder das ganze Reflektor-System.

Ein Blick in die Admin-Runde
Bei der Recherche bin ich auf die englischsprachige Mailingliste dstar-admins auf groups.io gestossen, wo sich die Reflektor-Betreiber austauschen. Und siehe da: Timm, OE5STM — vielen von euch als Betreiber des REF096 und aus dem HB9F-Umfeld bekannt — hat dort am 14. Juli genau dieses Thema gemeldet. Seit einigen Tagen sind die europäischen Reflektoren REF068, REF075, REF096 und REF098 zeitweise nicht erreichbar. Sein Red Dongle quittiert Verbindungsversuche mit «Gateway unknown».
Timms Vermutung: Die Erreichbarkeits-Prüfung der Reflektoren sitzt in den USA, und die Leitung zwischen dieser Prüf-Infrastruktur und Europa ist derzeit zu wackelig. Die europäischen Reflektoren fliegen dadurch immer wieder aus der Liste der bekannten Gateways.
Mein Befund: Es ist mehr als ein Mess-Artefakt
Timms Theorie erklärt das «Gateway unknown» — aber sie erklärt nicht alles. Denn mein Test lief von einem Schweizer Anschluss aus, ganz ohne Umweg über amerikanische Prüfserver. Und der Host 195.225.116.252 antwortet auch von hier nicht.
Noch interessanter wird es beim Blick auf refcheck.radio, ein Monitoring-Tool, das stündlich tausende Digital-Voice-Reflektoren abklopft und die unerreichbaren auflistet. Dort tauchen zwei alte Bekannte auf: IPSC2-SWISS (195.225.116.246) und IPSC2-SWISS-DMO (195.225.116.251) — beide als unerreichbar markiert. Beide liegen im selben Subnetz wie der REF098. Drei Schweizer Digital-Voice-Server im Netz 195.225.116.x, alle gleichzeitig offline? Das riecht nicht nach Zufall, sondern nach einem Problem am Hosting-Standort selbst oder an dessen Anbindung.

Das DVRef-Kuriosum
Und dann ist da noch eine Merkwürdigkeit, die Timm bereits am 2. Juli in der Admin-Runde angesprochen hat: In der Reflektor-Datenbank von dvref.com fehlt der REF098 komplett. Die Liste springt dort direkt von REF097 auf REF307. Ich habe das nachgeprüft — es stimmt.
Das hat Folgen. RefCheck bezieht seine Reflektorliste von DVRef und überwacht den REF098 deshalb gar nicht erst. Dass er dort nicht als «unreachable» auftaucht, sagt also nichts über seinen Zustand aus. Und wer seine Hostfiles aus dieser Quelle bezieht, hat den REF098 womöglich gar nicht im System — was das eine oder andere «Gateway unknown» zusätzlich erklären könnte, unabhängig von der aktuellen Störung.
Warum uns das in der Schweiz besonders trifft
Der REF098 ist für die Deutschschweizer D-Star-Szene kein Nebenschauplatz. HB9F-B ist fest auf REF098 A geschaltet, und auch HB9HD hängt standardmässig an diesem Reflektor — ich habe über beide Umstellungen hier auf funkwelt.net berichtet. Steht der Reflektor, ist der ganze Verbund faktisch stumm. Wer sich in den letzten Tagen gewundert hat, warum auf den gewohnten Relais nichts mehr los war: Das dürfte der Grund sein.
So testet ihr selbst
Wer einer solchen Störung auf den Grund gehen will, braucht nur das Terminal (macOS und Linux, bei Windows funktioniert es sinngemäss):
dig +short ref098.dstargateway.org
curl -m 5 -I http://ref098.dstargateway.org/
curl -m 5 -I http://ref001.dstargateway.org/
Die erste Zeile prüft den DNS-Eintrag, die zweite den Webserver des betroffenen Reflektors, die dritte ist die Gegenprobe mit einem bekannt funktionierenden System. Liefert nur die Gegenprobe eine Antwort, liegt das Problem beim Reflektor — nicht bei euch. Dazu lohnt sich immer ein Blick auf refcheck.radio (mit dem oben erwähnten Vorbehalt) und auf die «Last Heard»-Seite von dstarusers.org, wo man sieht, ob über die verbundenen Relais noch Traffic läuft.
Wie weiter?
Ich werde meine Befunde — den toten Host aus Schweizer Sicht, die beiden ebenfalls betroffenen IPSC2-Server im selben Subnetz und den fehlenden DVRef-Eintrag — direkt an Timm und die Admin-Runde weitergeben. Vielleicht hilft es, das Problem beim Betreiber des Schweizer Standorts an der richtigen Stelle zu adressieren.
Sobald es Neuigkeiten gibt, lest ihr sie hier. Und falls jemand von euch näher an der Infrastruktur des REF098 dran ist: Meldet euch bei mir, ich bin an jedem Puzzleteil interessiert.
73 de Chris, HB9HJI