Die endgespiesene Halbwellenantenne ist das meistgelesene Thema auf dieser Website, seit es sie gibt. Kein POTA-Bericht, keine App-Vorstellung kommt an die End-Fed-Bauanleitungen heran. Und ich verstehe das: ein Draht, ein Aufhängepunkt, ein Kästchen mit einem Ringkern drin — mehr braucht es nicht für fünf Bänder.
Ich habe über die Jahre etliche Varianten davon gebaut. Mit 1:49er-Unun, mit 1:64er, für 40 bis 10 m, als Achtband-Version für 80 m. Und wenn mich am Feldtag jemand fragte, welcher Unun denn nun der richtige sei, habe ich wahrheitsgemäss geantwortet: «Beide funktionieren.» Warum beide funktionieren und wann welcher die bessere Wahl ist — das hatte ich, Hand aufs Herz, nie sauber nachgeschlagen. Nach der Geschichte mit der Delta-Loop wollte ich es wissen. Diesmal bevor jemand nachfragt.
Die Ausgangslage: eine Wette auf eine unbekannte Zahl
Kurz zur Physik, dann wird der Rest einfach. Auf einem Halbwellendraht steht eine stehende Welle: In der Mitte fliesst der meiste Strom, an den Enden steht die höchste Spannung. Der Dipol wird in der Mitte gespeist und zeigt dort um die 70 Ohm. Die End-Fed wird am Ende gespeist — dort, wo fast kein Strom fliesst — und zeigt darum das Gegenteil: mehrere tausend Ohm.
Wie viele tausend genau, weiss vorher niemand. AA5TB hat das modelliert und kommt je nach Gegengewicht auf 1800 bis 5000 Ohm; K1RF nennt für typische Aufbauten 2000 bis 4000. Die Impedanz hängt an der Aufbauhöhe, der Umgebung, dem Draht und vor allem am Gegengewicht.
Und jetzt der Punkt, der mir vorher so nie klar war: Ein Unun mit festem Verhältnis ist eine Wette auf eine Zahl, die du nicht kennst. Der 1:49 wettet auf 2450 Ohm (49 × 50), der 1:64 auf 3200 Ohm (64 × 50). Gewinnt keiner die Wette exakt — und das tut nie einer —, zahlst du mit SWR.

Die Mathematik dahinter ist erfreulich unspektakulär
Rechnet man das SWR für beide Ununs über den ganzen realistischen Impedanzbereich durch (rein ohmsch gedacht, die Rechnung steht unter der Grafik), passiert etwas Beruhigendes: Die beiden Kurven schneiden sich bei 2800 Ohm — dem geometrischen Mittel der beiden Zielimpedanzen —, und dort liegt das SWR für beide bei harmlosen 1,14. Liegt deine Antenne darunter, gewinnt der 1:49. Liegt sie darüber, der 1:64. Und über weite Teile des Bereichs bleiben beide unter SWR 2.
Das ist der nüchterne Grund, warum meine Feldtag-Antwort «beide funktionieren» all die Jahre gestimmt hat. Die End-Fed ist gegenüber der Unun-Wahl gutmütig. Wer zwischen den beiden Varianten hin- und herwechselt und kaum einen Unterschied sieht, misst keine Einbildung — der Unterschied ist klein.

Klein ist aber nicht null. Es gibt zwei Situationen, in denen die Wahl kippt.
Wann der 1:64 gewinnt
Erstens: kurze oder improvisierte Gegengewichte. AA5TBs Modellierung zeigt, dass die Impedanz mit der Länge des Gegengewichts wandert — von rund 1800 Ohm bis gegen 5000, wenn das Gegengewicht sich der Halbwelle nähert. Und sie zeigt noch etwas: Über diese ganze Spanne liefert das Windungsverhältnis 8:1 — also der 1:64 — das stabilste SWR. Wer wie ich am Feldtag oft einfach die drei Meter Koax als Gegengewicht arbeiten lässt, bekommt mit dem 1:64 die fehlertolerantere Antenne.
Zweitens: 80 m. Die 80-m-End-Fed ist ein spitzer Schwingkreis, das gute SWR-Fenster oft nur 80 bis 100 kHz breit. Die leichte Fehlanpassung des 1:64 drückt die Güte des Systems und macht die Kurve flacher — das Minimum wird etwas schlechter, dafür bleibt ein deutlich breiteres Stück des Bandes unter SWR 2 und damit tunerlos nutzbar. Diesen Effekt beschreibt auch mein Technik-Leitfaden von letztem Oktober ausführlicher.
Wann der 1:49 gewinnt
Auf den hohen Bändern. Der 1:64 braucht mehr Sekundärwindungen (2:16 statt 2:14), und jede zusätzliche Windung bringt Streuinduktivität und Wicklungskapazität mit. Auf 40 oder 20 m spielt das kaum eine Rolle. Auf 12 und 10 m schon: Gary Rondeau AF7NX hat in einer sehr lesenswerten Messreihe gezeigt, dass genau diese parasitären Effekte das Hochband-Verhalten des Trafos begrenzen — und dass sie mit der Windungszahl wachsen. Weniger Windungen, besseres 10-m-Verhalten. Vorteil 1:49.
Dazu kommt ein praktischer Punkt: Der 1:49 ist die mit Abstand am besten dokumentierte Variante. Wer zum ersten Mal wickelt, findet zehnmal mehr Bauberichte, Messwerte und Fehlerbilder als zum 1:64.
Die Falle, die mit beiden zuschnappt
Bei der Recherche bin ich über einen Punkt gestolpert, der wichtiger ist als die ganze 49-gegen-64-Frage: Ein gutes SWR beweist nicht, dass die Antenne gut ist. Ein verlustbehafteter Trafo wirkt wie ein Dämpfungsglied — er schluckt Sendeleistung auf dem Hinweg und reflektierte Leistung auf dem Rückweg, und das SWR-Meter zeigt ein schmeichelhaft gutes Bild. AF7NX hat die Kernverluste systematisch gemessen: Material 43 ist um 7 MHz am gutmütigsten, zu den hohen Bändern hin steigen die Verluste, je nach Aufbau bis in den Bereich mehrerer dB. Drei dB heisst: die halbe Leistung heizt den Ringkern statt der Antenne.
Zwischen einem sauber gewickelten 1:49 und 1:64 liegt dabei kein grundsätzlicher Effizienzunterschied — die Verluste hängen am Kernmaterial, an der Frequenz und an der Bauqualität, nicht am Verhältnis. Der 100-pF-Kondensator über der Primärwicklung gehört in beide, sonst brechen 15, 12 und 10 m ein. Und wenn dein Unun nach dem Digimode-Durchgang heiss ist, weisst du jetzt, wo deine Leistung geblieben ist.

Mein Fazit nach x Antennen und einem Abend Recherche
Für die Standard-End-Fed von 40 bis 10 m, wie sie bei POTA an meinem Mast hängt: 1:49. Er trifft die typische Impedanz gut, verliert auf den hohen Bändern am wenigsten und ist der bestdokumentierte Weg.
Für die 80-m-Version und für Aufbauten mit knappem Gegengewicht: 1:64. Die breitere 80-m-Kurve und die Stabilität gegenüber dem Gegengewicht sind genau dort die richtigen Eigenschaften.
Und in beiden Fällen gilt: Die Aufbauhöhe und das Gegengewicht verschieben mehr als die Wahl des Verhältnisses. Wer seinen Unun wechselt, aber die Antenne gleich aufhängt, ändert am wenigsten Wichtiges zuerst.
Zum Schluss die übliche Ehrlichkeit: Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus den publizierten Messungen und Modellen von AA5TB, K1RF und AF7NX, nicht aus meiner Werkstatt — meine eigenen Ununs habe ich bisher gebaut, aufgehängt und benutzt, aber nie vergleichend durchgemessen. Das juckt mich jetzt natürlich schon. Ein 1:49 und ein 1:64 am selben Draht, gleicher Mast, gleicher Nachmittag, Analyzer dran: Das wäre der ehrliche Teil 2. Die Bauanleitungen für beide Varianten stehen übrigens im Technik-Leitfaden hier auf der Website — und meine gebauten Varianten findest du in den Kategorien End Fed mit 1:49 und End Fed mit 1:64.
73 de Chris, HB9HJI