Icom X-026: Was ich an der Ham Radio hinter dem Glas gesehen habe – und was nicht

Ich war letzte Woche an der Ham Radio in Friedrichshafen. Und wie fast alle bin ich irgendwann am Icom-Stand hängengeblieben, vor einer Vitrine, um die sich eine kleine Traube gebildet hatte. Darin: ein flaches, schwarzes Gerät mit grossem Display, angeschrieben mit einem einzigen Wort. «Projekt». Daneben das Schildchen «X-026».

Kein Preis, kein Datenblatt, keine Taste zum Anfassen. Nur Plexiglas und ein Stück Neugier. Genau darum will ich heute darüber schreiben – denn das X-026 ist im Moment weniger ein Funkgerät als eine Frage.

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Was Icom tatsächlich gesagt hat

Fangen wir bei den harten Fakten an, und die sind schnell erzählt. Am 20. April hat Icom über seine Kanäle ein neues Projekt angekündigt: das X-026. Der Wortlaut war ungefähr «wir zeigen erstmals weltweit das Konzept-Mockup X-026». Dazu, von Icom America, ein einziges Emoji: 🚘. Ein Auto.

Premiere hatte das Ding dann Mitte Mai an der Dayton Hamvention in Ohio. In Friedrichshafen stand jetzt dasselbe Mockup in der Vitrine, gleich neben dem neuen Tischmikrofon SM-J1. Und «Mockup» ist hier das entscheidende Wort. Ein Konzept-Modell ist kein fertiges Gerät. Es ist eine Absichtserklärung in Blech und Kunststoff.

Was es keine gibt: Spezifikationen. Keine Leistungsangabe, keine Frequenzbereiche, kein Preis, kein Liefertermin. Wer dir diese Woche erzählt, das X-026 mache soundso viel Watt auf Kurzwelle, der rät – oder er erfindet.

Zeitleiste des Icom X-026: Ankündigung im April, Dayton im Mai, Friedrichshafen im Juni, Tokio im Herbst 2026
Die Stationen des X-026 im Überblick – von der Ankündigung bis zur erwarteten Vorstellung in Tokio.

Das Auto-Emoji und der grosse Verdacht

Der einzige echte Hinweis ist dieses Auto. Ein Mobilgerät also, etwas für den Einbau ins Fahrzeug. Und damit sind wir beim wunden Punkt, über den in der Szene seit Wochen geredet wird: dem IC-7100.

Für alle, die es nicht auf dem Schirm haben – das IC-7100 war Icoms letztes Allmode-Mobilgerät. Kurzwelle, VHF und UHF in einem Gehäuse, dazu dieser schräge, abnehmbare Bedienkopf, den man an die Armaturenbrett-Konsole klemmen konnte. Ein Gerät mit Fangemeinde. Und eines, das inzwischen über zehn Jahre auf dem Buckel hat, ohne dass je ein Nachfolger kam.

Da klafft eine Lücke. Und jetzt hält Icom ein Konzept mit Auto-Emoji hoch. Du musst kein Prophet sein, um zu ahnen, worauf die halbe Community hofft: ein IC-7100 für die 2020er, mit Touchscreen, sauberem Menü, vielleicht Spektrumanzeige. Das wäre für Leute wie mich – ich funke viel mobil, aus dem Wohnmobil und portabel mit dem IC-705 – tatsächlich eine kleine Sensation.

Aber Hand aufs Herz: Sicher ist das nicht. Es könnte auch ein reines VHF/UHF-Mobilgerät werden, ein neues D-STAR-Gerät oder etwas ganz anderes. Das Auto sagt «Fahrzeug». Mehr sagt es nicht.

Warum ich beim Bild vorsichtig bin

Ein Wort zu den Fotos, die gerade kursieren. Kaum war das X-026 angekündigt, schwappten die ersten «geleakten» Bilder durchs Netz. Hochglanz-Renderings, mal mit riesigem Display, mal futuristisch verchromt. Die allermeisten davon sind schlicht erfunden – KI-generiert, ohne jede Verbindung zu Icom.

Das gab es schon einmal, beim damaligen «Projekt X60». Das Netz malte sich sein Traumgerät aus, und als am Ende das echte IC-7760 kam, waren nicht wenige enttäuscht – nicht weil das Gerät schlecht war, sondern weil es anders aussah als die Fantasie. Ich habe an der Messe deshalb bewusst mein eigenes Foto gemacht, durch die Scheibe, mit Spiegelungen und allem. Lieber ein ehrliches Handybild vom echten Mockup als ein schönes Rendering, das jemand am Rechner zusammengeträumt hat.

Was drumherum tatsächlich schon real ist

Interessant finde ich, was Icom neben das Konzept gestellt hat – nämlich Geräte, die keine Frage mehr sind, sondern Produkte. In Dayton wurde das ID-5200 gezeigt, ein Dualband-Mobilgerät und der lang erwartete Nachfolger des ID-5100. Dazu der Antennentuner AH-6. Und eben das SM-J1, das in Friedrichshafen direkt neben dem X-026 stand.

Das ist kein Zufall. Man zeigt fertige Ware und stellt daneben eine Vision. Der Betrachter verbindet beides im Kopf – und schon wirkt das Konzept greifbarer, als es ist. Cleveres Standdesign, muss man Icom lassen.

Mein Fazit vor der Vitrine

Ich stand also da, Nase fast an der Scheibe, und hatte zwei Gefühle gleichzeitig. Das eine: Wenn daraus ein moderner Allmode-Mobiltransceiver wird, stehe ich in der ersten Reihe. Ein Gerät, das Kurzwelle und die kleinen Bänder sauber ins Auto oder ins Wohnmobil bringt, mit einer Bedienung von heute statt von 2013 – das fehlt im Markt, und zwar spürbar.

Das andere Gefühl ist Zurückhaltung. Ein Konzept ist ein Versprechen, kein Liefertermin. Zwischen so einem Mockup und einem Gerät, das du kaufen und ins Fahrzeug schrauben kannst, liegen erfahrungsgemäss Monate bis Jahre. Die vollständige offizielle Vorstellung wird ohnehin erst zur Ham Fair in Tokio erwartet, im Herbst. Bis dahin bleibt das X-026, was es ist: ein schwarzer Kasten hinter Glas, der eine Richtung andeutet.

Und weisst du was? Das ist auch in Ordnung. Es hat etwas von einer Testantenne, die man neben der Hauptantenne aufstellt: Man baut sie hin, schaut, misst, hört zu, wie die Community reagiert. Ob sie am Ende an den Mast kommt, entscheidet sich später. Icom hört gerade zu. Wir dürfen also ruhig laut wünschen.

Ich für meinen Teil wünsche mir das IC-7100 von morgen. Mal sehen, was im Herbst wirklich aus der Vitrine kommt.

Warst du auch in Friedrichshafen und hast das X-026 gesehen? Oder hast du eine Vermutung, was da wirklich draus wird? Schreib mir – ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

73 de Chris, HB9HJI

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