Im Fieldday-Rückblick vom Sonntag steht ein Nebensatz, der eine Frage aufwirft: Die Mail an HB9AK ging «nicht aus Skywave raus, sondern direkt aus HAM-Tools». Wer den Skywave-Beitrag vom August gelesen hat, stutzt da zu Recht. Du hast doch Skywave gebaut, warum schickst Du jetzt Winlink-Mails aus HAM-Tools? Ich habe das nie richtig erklärt. Also hier die Erklärung, und gleich die Antwort auf die Frage dahinter: Welches der beiden soll man nehmen?
Kurz gesagt: beides bleibt
Skywave ist mein eigenständiger Winlink-Client für den Mac, offen unter MIT-Lizenz, im August hier vorgestellt. Daran ändert sich nichts, Skywave wird weiterentwickelt und bleibt die schlanke Lösung für alle, die nur Mail über Funk wollen und keine Logsoftware brauchen.
Das Winlink-Modul in HAM-Tools ist älter, als viele denken. Es kam mit Version 1.33 in die App, damals nur über Internet. Mit 1.34 kamen die Funkwege ARDOP und VARA dazu, mit 1.39 das Gateway-Verzeichnis. Ich habe darüber nie einen eigenen Beitrag geschrieben, weil es sich für mich wie ein Nebenprodukt anfühlte. Das war ein Fehler, denn inzwischen ist es das vollständigere der beiden Programme. Dieser Beitrag holt das nach.
Ein Kern, zwei Oberflächen
Der Grund, warum ich beides mit gutem Gewissen pflegen kann: Unter beiden steckt derselbe Motor. WinlinkKit ist ein offenes Swift-Paket, das den ganzen Winlink-Kram kann, das B2F-Protokoll, die FBB-Kompression, das sichere Login. Skywave und das HAM-Tools-Modul sind zwei Oberflächen über diesem einen Kern. Wenn ich im Protokoll etwas verbessere, profitieren beide. Wenn ein Gateway sich seltsam benimmt, debugge ich es einmal.

Das ist auch der Unterschied zu dem, was HAM-Tools sonst ist: Die App selbst ist nicht Open Source. Der Winlink-Kern darunter ist es, und wer nachlesen will, wie ein B2F-Handshake aussieht, kann das im Code tun.
Was das Modul kann
Drei Wege ins Winlink-Netz. Über Internet per Telnet zum CMS, das ist der Weg für den Anfang, mit server.winlink.org als Standard und einem Testserver, der Nachrichten nicht weiterleitet, falls Du erst mal üben willst. Über Funk mit ARDOP, und das ist der Weg, auf den es mir ankommt: HAM-Tools bringt das Modem ardopcf gleich mit, es läuft als Prozess im Hintergrund, kein zusätzliches Programm, keine Audio-Umleitung durch drei Tools. USB-Kabel zum Funkgerät, Audio-Routing einstellen, PTT am liebsten über CAT, fertig. Und wer VARA hat, kann es über eine Windows-Kiste im Netz anbinden, HAM-Tools redet dann per TCP mit dem Modem.
Das Konto entsteht beim ersten Kontakt mit dem System. Das Passwort liegt im macOS-Schlüsselbund, Rufzeichen und Locator kommen aus den Stationsdaten, die Du in HAM-Tools ohnehin schon gepflegt hast. Das ist der erste Punkt, an dem das Modul dem eigenständigen Client davonläuft: Es weiss schon, wer Du bist.
Das Gateway-Verzeichnis holt die RMS-Gateways aus den Winlink Web Services und zeigt sie mit Distanz und Peilung von Deinem Locator aus, mit Band, Dial-Frequenz und Bandbreite. Sortieren nach Distanz, nach Rufzeichen suchen, nach Band filtern, Favoriten setzen. Die Distanz rechnet die App lokal, und wenn Du im Womo den Locator änderst, sortiert sich die Liste neu. Synchronisiert wird höchstens einmal am Tag, mit einem Suchradius zwischen 300 und 3000 km, dieselbe Zurückhaltung gegenüber der Winlink-Infrastruktur wie bei Skywave.
Beim Schreiben nimmt das Modul Rufzeichen und normale Mailadressen gemischt, durch Komma oder Strichpunkt getrennt. Anhänge werden komprimiert, Bilder automatisch verkleinert, mit vier Grössenstufen von rund 50 KB bis Original, und das Verkleinern ist verlustfrei umschaltbar, weil die App immer vom Original neu rechnet. Das klingt nach Kleinkram, ist aber der Unterschied zwischen einer Mail, die in zwei Minuten über 3613 kHz geht, und einer, die den Gateway-Zeitrahmen sprengt. Dazu Signaturen mit Umschalter pro Nachricht, Entwürfe, ein Postausgang für die nächste Synchronisation, ein Adressbuch mit Gruppen.
Das Postfach ist ein richtiges Postfach: Unterordner im Eingang, Suche nach Absender, Empfänger, Betreff und Text, ein Papierkorb. Und jede Nachricht liegt als eigene .b2f-Datei im Winlink-Standardformat auf der Platte, unter HAM-Tools/Winlink/Mailbox/. Keine Datenbank, die Dich einsperrt.
Was man wissen muss
Ein paar Stolpersteine, die im Feld jeder findet: Eine Mail an das eigene Rufzeichen kommt vom CMS nicht zurück, zum Testen nimmst Du das Rufzeichen TEST, das antwortet automatisch. Absender ohne Winlink-Konto landen im Spamfilter, ausser der Betreff beginnt mit //WL2K. Und die RMS-Gateways haben Zeitlimits, typischerweise 120 Minuten pro Tag und Gateway. Wer am Fieldday mit 100 Watt eine Stunde lang Bilder schaufelt, hat den Nachmittag verbraucht.
Welches also?
Skywave, wenn Du Winlink willst und sonst nichts. Ein Programm, ein Zweck, offener Code, klein und schnell installiert. Ideal für den Notfunk-Laptop, auf dem nichts anderes laufen soll.
HAM-Tools, wenn Du ohnehin darin loggst. Dann hast Du Winlink neben dem Log, mit denselben Stationsdaten, demselben CAT-Kabel und demselben Locator. Am Fieldday ging die Mail an HB9AK aus derselben App raus, in der das Log lief, ohne Programmwechsel und ohne ein Kabel umzustecken. Das ist der Moment, in dem sich das Modul verdient hat, dass ich es nicht länger als Nebenprodukt bezeichne.
Und wer beides installiert hat, verliert nichts: Die Postfächer sind getrennt, das Konto ist dasselbe, und der Kern, der die Mails durchs Band schiebt, ist ohnehin derselbe.
Was noch aussteht
Die Geschichte, die ich seit August verspreche, bleibt versprochen: Winlink im Alltag, mit dem, was schiefgeht. Der Alltag selbst läuft längst. Ich hole alle paar Tage die Mails über Funk, aus dem Shack oder aus dem Wohnmobil, zuletzt im Urlaub in den Bergen, wo das Handy nichts mehr hatte und das Funkgerät schon. Dafür hat sich das Modul bewährt: kurz verbinden, Mails holen, fertig. Was fehlt, ist nur noch der Beitrag dazu.
Die Hilfe zum Modul mit allen Einstellungen findest Du unter toolbox.funkwelt.net/help/modules/winlink. Fragen, Fehler, Gateway-Erfahrungen: wie immer gern an mich.
73 de Chris, HB9HJI